Die Sozialpolitik ging von dem Gedanken der Gleichheit aus,die doch nicht ganz aufrechterhalten werden konnte; denn der Über-gang zum Fabrikbetriebe schuf von selbst Plutokraten. Tiefe aberertrug man noch geduldig, der Rheinländer hat vor dem unter-nehmenden, arbeitsamen Manne immer Achtung gehabt.
Überblickt man das Wirtschaftsleben, so stehen auch da dieVorzüge den Nachteilen weit voran. Doch muß man auch dawieder sehr verschiedenartige Ursachen aussondern. Zunächst wardie Wirtschaft an sich im Aufsteigen, als die Franzosen ins Landkamen, und durch die französische Besetzung wurde verhindert, daßenglische Erfindungen im Lande eingeführt wurden. Die fran-zösische Herrschaft brachte in das zerfetzte Land den Segen derEinheitlichkeit. Ein großzügiger Straßenbau, wie er dem GeisteNapoleons entsprach, der natürlich die strategischen Interessen inerster Linie berücksichtigte, war vorher völlig undenkbar. DieErinnerung an die französischen Straßenbauten ist am linken Nhein-ufer und darüber hinaus im Gedächtnis geblieben. Einheit vonMaß und Münze, Einheit des Bergrechtes u. a., welche Vor»teile! Tann aber kam wesentlich ungünstig wirkend der umstandzur Geltung, daß nach Auflösung des alten bunten Zollsystemsder Nhein zur Zollgrenze gemacht wurde, wozu sich eine so be-deutende Verkehrsstraße am allerwenigsten eignet. Diese Wirkungwurde noch dadurch erhöht, daß, wenn das Land selbst auch im Friedenlag, es sich doch in einem zunehmend schweren Wirtschaftskriegebefand, der dauernd die alten Märkte, Einkaufs- und Absatzgebietebeeinflußte, zum Teil völlig verschloß oder nur durch Schmuggel,ohne den die napoleonische Periode nicht vorstellbar ist, erreichbarmachte. Die Kontinentalsperre zwang zu einer Förderung allerErsatzkulturen, unterband aber die Getreideausfuhr nach England.
Die Agrarpolitik hinterließ auf dem linken Nheinufer tiefeSpuren. Seit jener Zeit verstärkte sich der zum Teil schon vorhervorhandene Charakter der Vesitzverhältnisse erheblich: GeringeZahl der Domänen und der in Selbstbewirtschaftung stehendenGroßwirtschaften. Die Mobilisierung des Grundbesitzes nahm zu,die Freivererbbarkeit und Freiteilbarkeit, die Napoleon in denOoäe civil eingeführt hatte, schädigte den Bestand geschlossenerKofgüter und leitete bereits zu Zwergwirtschaften hinüber, die aberbei der Steigerung der Intensität der Vodenbebauung erträglichblieben. In übler Erinnerung steht der Forstraubbau der ersten Jahre.
283