Gesetze, vor dem Gerichte wie gegenüber der Steuer. Der Staattrat mit allen seinen Untertanen in direkte Verbindung, die patri-monialen Gewalten verschwanden. Der ganze Privilegienbau derStifter und Klöster wurde beseitigt, leider auch manches kunstreicheGebäude überflüssigerweise niedergelegt.
An Stelle der alten schwerfälligen aristokratischen Verwaltungs-behörden trat die konkurrenzlose, nach unten hin allmächtige Gewaltdes Präfekten. Wurde er gut ausgewählt, war es ein arbeits-lustiger, starker, gewinnender Mann — und solche waren mehrereunter ihnen, vor allem Lezay-Marnesia, der seine Studien inGöttingen gemacht, als Dreißigjähriger Schillers „Ton Carlos"übersetzt hatte und die deutsche Sprache völlig beherrschte —, soschaffte er viel Gutes und gewann dem Staate viele Freunde.Während die Präfekten allesamt Franzosen waren, wurden fürdas Amt des durchaus abhängigen Gehilfen, zu Anterpräfekten,auch Deutsche bestellt. Beratende Kollegien sprachen die Wünschedes Voltes aus. Die Gemeindeverfaffung unter einem Gegenbildedes Präfekten, unter dem Maire, faßte Stadt und Land zusammenund blieb dauernd volkstümlich. Auch ihre Träger wirkten für denStaat in politischem Sinne, so bedenklich manche Personen undmanche ihrer Mittel waren.
Der Wirrwarr im Gerichtswesen mit der Kreuzung der Ve-Horden und der Geltung unendlich vieler Gesetze hätte auch einmindsr gutes Gerichtswesen annehmbar gemacht. Die napoleoni-schen Gesetzbücher, die klare, von der Verwaltung völlig getrennteRechtspflege, das Notariat, die Friedensrichter waren aber ansich große Fortschritte, an die das Volk sein Kerz hängte. Sobeliebt die Schwurgerichte waren, so mißtrauisch stand man denspäteren napoleonischen Sondergerichten gegenüber.
Minder günstig beurteilte man im Steuerwesen die Salz-,Tabak-, die unsinnige Tür- und Fenstersteuer, die Frankreich nochlange beibehielt; aber die Veranlagung der direkten Steuer aufGrund von Kataster und Grundsteuerrollen war eine Erlösung.An eine Einkommensteuer dachten die Franzosen nicht, wie sie ihnennoch so lange, lange widerwärtig, blieb.
Die Heereslasten waren schwer, jetzt gab es wirkliche Aus-hebungen! Je länger die Kriegsperiode dauerte, um so mehr stiegdie Zahl der Nefraktäre, und für sie mußten die Angehörigenschwere Strafen tragen. Das entfremdete viele dem Kaiser.
282