^
traten, wie es später der Fall war. Die Sorge um die eigene Land-schaft war noch zu groß, um leidenschaftlich an die Befreiung derentfremdeten Gebiete zu denken. Das deutsche Volk hatte seinekosmopolitische Tendenz seit langem ins. Kraut schießen lassen.„Wir waren nichtig geworden, weil wir unsere Sprache verachtethatten; diese Sprache war nichtig geworden, weil wir aufgehörthatten ein Volk zu sein. Das ist ein Zirkel, der sich nirgends öffnet,so sehr ist Sprache und Volk innerlich Eins."!
Der Friede von 1815 gab Deutschland eine etwas bessereSicherung, als es sie bis dahin seit 1681 gehabt hatte; denn Landauhörte nuu auf, einen Brückenschlag über den hier leichter zu be-wältigenden, weil schmaleren Rheinlauf zu verbürgen, und mitSaarlouis gewann es eine, wenn auch schwache Deckung gegenübereinem Heere, das etwa aus dem weit stärkeren Metz hervorbrechenwürhe, es schützte auch einigermaßen die Flanke von Luxemburg,das ja eine deutsche Vundesfestung wurde. Die Naht, welche hieran die niederländisch-englische Barriere anschloß, bedürfte be-sonderer Sorgfalt.
Es war ein Glück, daß die an Frankreich anstoßenden links-rheinische!! Gebiete an die beiden nächststärksten Staaten desDeutschen Bundes kamen, nachdem Österreich sich selbst von derWacht am Nheine ausgeschlossen hatte. Aber Preußen hat sichnicht zu dieser Aufgabe gedrängt. Im Gegenteil. Der preußischeVorschlag auf dem Wiener Kongresse ging dahin, auf das linkeNheinufer den König von Sachsen zu verpflanzen, der bis zuletztin Treue zu Napoleon gehalten hatte. Doch diesen GedankenHardenbergs, die Kleinen zwischen die Großen zu schieben,^lehntenCastlereagh und Metternich ab, und^ein andereres der,VertreterFrankreichs, Talleyrand, bemühte sich, Preußen das verschmähtelinke Nheinufer aufzudrängen und ihm da mit Güte und Gewalteinen nicht begehrten Anteil an den rheinischen Landen zu ver-schaffen. Thiers hat diese Politik bitter verurteilt; nach ihm hätteder König von Sachsen am Nheine einen besseren Ersatz für dierheinischen geistlichen Kurfürsten geboten, die so sanfte und so be-queme Nachbarn Frankreichs gewesen seien. „Preußen," sagtKoser, „bezog die Wacht am Nhein im Vorgefühl harter Kämpfe,schweren Herzens, aber seiner neuen Pflicht bewußt... Daß kein
i Arndt, Aber den Gebrauch einer fremden Sprache (1813), S. 77.
278