Druckschrift 
Frankreich und das linke Rheinufer
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

'

M

ersten Keime eines russisch-französischen Bündnisses ein. Abermalserschien Alexander der Vourbone notwendig zur Lösung der Dinge,und schließlich hat das Vlut seiner Könige, das das französischeVolk doch eben vergossen hatte, ihm die Grenzen des königlichenFrankreichs gerettet. So vertrat denn der russische Minister Eapo-distria ruhig den überlegitimistischen Standpunkt: man lebe garnicht mit Frankreich im Kriege, sei vielmehr ein Bundesgenossedes Königs, den englische Intrige sofort wieder ins Land gerufenhatte. Man dürfe nur nach Mitteln suchen, um die Nuhe Europasvor französischen neuen Versuchen zu sichern; Gebietsabtretungenkämen nicht in Frage. Logisch schloß die Denkschrift, eigentlich seiein neuer Friedensschluß nicht nötig, sondern nur Abmachungen mitdem Könige von Frankreich.

Diese Denkschrift hat Wilhelm von Humboldt meisterhaftzerfasert und widerlegt. ^ „Was sich in den drei Monaten seinerUsurpation abspielte, war nicht allein das Werk der Gewalt. Mankann nicht einmal sagen, daß er viele Gewalttaten ausgeübt hat.Er setzte den Verbündeten nicht einen Haufen von Parteigängernentgegen, sondern eine Armee von fast 200 000 Mann, die er ausfast ganz Frankreich zusammenbrachte." — „Da die Nation sichin eine völlig feindliche Haltung gegen die verbündeten Mächtegesetzt hat, kann man sie nicht plötzlich als befreundet ansehen." —„Die Sicherheit Europas muß die Basis des Friedens werden, dieVerbündeten haben ein unbestreitbares Necht, alles von Frankreichund seiner Negierung zu verlangen, was sie für diese Sicherheit fürnotwendig ansehen." Man wolle nicht aus dem Unglücke FrankreichsNutzen ziehen. „Eine andere Verteilung der Kräfte... ist daseinzige Mittel, Europa vor neuen Gefahren wahrhaft zu beschützen...man muß den an Frankreich stoßenden Mächten eine gesicherteGrenze verschaffen, indem man ihnen zu ihrer Verteidigung diefesten Plätze gibt, deren sich Frankreich, seitdem es sie besitzt, alsAngriffs Pforten bedient hat." Er verlangte besseren Schutz inBelgien und am Oberrhein. „Deutschland ist ein wesentlich fried-licher Staat. Die Nuhe Europas kann daher bei dieser Grenz-Verschiebung nur gewinnen. Die Höfe Deutschlands müssen ein be-sonderes Interesse der Aufgabe widmen, wenigstens einen Teildessen zurückzugewinnen, was man ihnen durch Anrecht entrissen hat."

^ Vgl. Wilhelm von Humboldts Gesammelte Schriften, Vd. l2,S. 3—15.

Schulte, Fianlleich und d»3 linle Rheinuf« 18 273