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Frankreich und das linke Rheinufer
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Ludwig XIV. ließ die Reichsstädte unter seinen Augen mili-tärisch besetzen, die Vorräte an Waffen und Munition konfiszieren,die Bürger völlig entwaffnen und die Befestigungen der Städteniederlegen. Wohl versprach der König, nach dem Frieden dieTruppen wieder zurückzuziehen, tatsächlich bedeutete aber das Vor-gehen die Einverleibung der Städte in den französischen Staat.Das war das Ende der Herrlichkeit der elsiisfischen Neichsstädte!Der Straßburger Chronist Johann Iatob Walter schrieb in seinTagebuch:Also hat das arme Elsaß mit einem Schlage seinenalten Glanz, seine Schönheit und seine Freiheiten verloren. Nichtzu schildern sind die Klagen dieser armen, von aller Welt ver-lassenen Leute/" Die Wut der Neichsstädter, die sich des Schutzesihrer Mauern beraubt sahen, richtete sich vor allem gegen die-jenigen, die zu einer nachgiebigen Haltung gegenüber Frankreichgeraten hatten. Der Syndikus von Schlettstadt, Knecht, mußte sichnächtlich vor der Wut seiner Mitbürger flüchten, die ihn umbringenwollten. Der französische König vernichtete die Privilegien ein-zelner der Neichsstädte, entgegen den Bestimmungen des West--Mischen Friedens.^ Das Ganze war eine regelrechte Annexion.

Der militärische Gewaltstreich, durch den bei Beginn einesKrieges Frankreich sich selbst fast aller festen Plätze beraubte,die es im Elsaß besaß, ist der schlagende Beweis dafür, daßnach fünfundzwanzigjährigem Aufenthalte die Franzosen im Elsaßkeine Wurzeln geschlagen hatten. Der große Conde schriebam 30. Januar 1^679 nach einer Inspektionsreise an Louvois:Die Autorität des Königs im Elsaß ist auf dem besten Wege,völlig verloren zu gehen. Die zehn Neichsstädte... sind fastwie Feinde, die Nitterschaft des ilnterelsaß ist auf dem gleichenWege, Sagenau hat vor der Nase M. Mazarins die Tore ver-schlossen, und die kleine Stadt Münster hat ihn vor einiger Zeitschmählich weggejagt. Er hat diese beiden Kränkungen mit vielGeduld getragen. Immerhin faßt man etwas Fuß." ^ Dasfind deutliche Beweise der Neichstreue, die im Elsaß noch un-gebrochen lebte. Frankreich hatte gewartet, um in entscheidender

1 Neuß 1, 220. Das wird auch von französischer Seite bestätigt.Über den Abbruch der Festungswerke von Kolmar sagt die Mlle. de Mont-pensier in ihren Erinnerungen:Niemals sah ich Menschen, die so kon-sterniert waren und in solcher Betrübnis." Lefebure a. a. Ö. 26.

- Nocholl a. a. O. S. 85.

2 I)uc 6' .<Vum ^ I e, Niztoire ciez prince« cle doncl^, 7, 380.

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