Druckschrift 
Frankreich und das linke Rheinufer
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

M

MM

WM»!

M

)«

fassungsstatute waren die ersten Mittel. Die Bischöfe, wie dervon Verdun, taten noch, als seien sie getreue Vasallen des TeutschenNeiches, und niemals waren die Appellationen an das Neichs-kammergericht in Speier so zahlreich wie damals.Aber langsam,durch eine mehr geschickte als skrupelhafte Auswahl der Mittelsuchten die französischen Könige aus Depositaren die Eigentümerder Städte und Bistümer zu werden/" Im Anfang des 17. Jahr-hunderts wurde der Verkehr mit dem Neichskammergericht ver-boten und die Adler wurden durch die Lilien ersetzt.

Man muß einräumen," sagt der Franzose Aünond,daßdiese ganze Geschichte, von dem Standpunkte der Moral aus be-trachtet, nicht schön ist." 2 Nein, es ist eine meisterhafte Anwendungder Mittet des Betruges und der Gewalt. Nur einen Milderungs-grund kann man anführen: Frankreich gewann Untertanen fran-zösischer Zunge, wenn auch die Städte seit über 600 Jahren nichtmehr mit Frankreich staatlich verbunden gewesen waren. And dawill man den Teutschen das Necht abstreiten, nach einem ehren-haften, redlichen Kriege Straßburg zurückgenommen zu haben, daserst 190 Jahre zuvor durch eine brutale Gewalt ihnen entfremdetworden war!

Mit dem Gewonnenen war aber der französische König nochnicht zufrieden, er hatte sein Auge auf Straßburg geworfen; seinedeutschen Bundesgenossen hatten nicht vorausgesehen, daß dieserprotestantischen Stadt die Herrschaft des fremden Königs drohe.Nach der Einnahme von Metz setzte sich das Heer bald wieder inBewegung und stieg von der Zaberner Steige in den lachendenGarten des Elsaß hinab. Noch Straßburg war durch das Geschickvon Metz gewarnt, die Stadt, in die die Bauern sich flüchteten,verproviantierte sich, verstärkte sehr wesentlich ihre Festungswerke,nahm viele Söldner in ihre Dienste und bestellte sich einen wackerenObersten, einen Elsässer, Claus von Hattstadt, der zu scharfen Maß-regeln riet, der König ziehe gegen die deutsche Nation. Die Straß-burger waren gewarnt, und der Naum, der Straßburg von Metztrennte, gab ihnen 1552 eine Zeitspanne für Nüstungen, die ihnen1681 fehlte. Der Connetable war naiv genug, dieselbe List, dieihm bei Metz gelungen war, auch bei der selbstbewußten ersten Stadtdes Elsasses zu versuchen, wo die Bürgerschaft einhellia zum Deut-

' Äimond a. a. O. S. 425, dem ich auch sonst folge.^ Aimond a. a. O. S. 431.

130