echter Vorläufer seiner Nachkommen bereits das Haupt der anti-französischen Partei des Abendlandes, aber die Einheitlichkeit imHandeln fehlte und militärisch fast isoliert bestand er seine Kriege.Er erlag der Kraft des eidgenössischen Fußvolkes, an dem sein, bur-gundisches Neiterheer dreimal zerschellte; gegen seinen Landvogtin Vreisach, Peter von Sagenbach, erhoben sich die Bürger, dieim Gegensatz zur Eidgenossenschaft benannte „niedere Vereinigung",Straßburg an der Spitze, und der Herzog von Lothringen kämpftenwider ihn. Zeitweise tat es auch sein klügster und grimmigster Gegner,König Ludwig XI. von Frankreich, das Vorbild macchiavellistischerStaatskunst, den wir als Dauphin schon kennen gelernt haben!Karl ward besiegt, weil er starrköpfig an dem im Zorn gefaßtenEntschlüsse festhielt, weil er ungeduldig die Dinge nicht ausreifen ließ,weil bei ihm die Leidenschaft stärker war als die Politik, weil er demGeschicke nicht auswich, sondern ihm eine eherne Stirn entgegen-setzte, weil er an den veralteten Gebräuchen ritterlicher Krieg-führung festhielt, sich für einen Feldherrn hielt, was er nicht war, undweil er in maßlosem Selbstvertrauen keinen Nat hören wolltet
Der kühne Traum der Herzöge war vergangen. Das NeichBurgund war nur so lange lebensfähig gewesen, als es Frankreichbeherrschte und sich auf England und Deutschland stützen konnte.Isoliert, wie es unter Karl dem Kühnen war, hatte Burgund nichtKraft genug, um einen Zweifrontenkrieg auszuhalten. Er unter-schätzte seine Gegner, die Eidgenossen, und das zerrissene Teutsch-land, von dem doch der große Historiker Commynes sagte: ,,^11e-iHÄZneZ, cKoLe 8i Alanäe ei 8i pui83ante c^n'il e^t, pres^ue in-creadle." So sehr der Besitz zu einer kühnen Politik den Anreizgab, so wenig war die Grundlage stark genug. So kam es zu derwirren Nomantik und zu ihren: Zusammenbruch c.
Für die Stimmung am Oberrhein in den Tagen der Vur-gunderkriege liefert einen wertvollen Veitrag die erst neuerdingsmehr beachtete, von nationalen Gefühlen erfüllte, 1477 in Straß-burg erschienene Druckschrift: I^icolai 6e ^reliiä et, occaLU 6uciäLui-zunäie üiätoria. Ihr Verfasser geht dem antiquarischen An-füge im Gebrauche des Wortes Gallia zu Leibe: „Nicht möge derLeser sich daran stoßen, wenn ich in der Benennung der Länder und
^ Zur Charakteristik Karls vgl. vor allem Dürr, Karl der Kühne undder Ursprung des habsburgisch-spanischen Imperiums, in der HistorischenZeitschrift Vd. 113 (1914).
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