das Grabmal Marias von Burgund besichtigte: „Das ist dieWiege aller unserer Kriege/""
Diese Sätze enthalten mehr wie eine Unrichtigkeit. Ganzdavon zu schweigen, daß das burgundische Reich die Häfen vonBrügge (Sluys) und Antwerpen enthielt, die bis 1585 nacheinanderdem Welthandel die erste Heimstätte boten, und dazu noch dieRheinmündung und Amsterdam, wo sich dann der Welthandelsammelte, — diese „grundlegende" Erörterung krankt daran, daß siezwei grundverschiedene Landschaften miteinander vermischt: dieburgundischen Landschaften, die einschließlich einiger anderer Ge-biete die heutigen Königreiche der Niederlande und Belgien bilden,und die Rheinlands, die heute zum Deutschen Reiche gehören,niemals aber zum Reiche der Burgunder gehört, vielmehr mit ihmKriege geführt haben. Ausnahmen bilden nur Stücke des Ober-quartiers Geldern, des Herzogtums Limburg und des HerzogtumsLuxemburg, die zusammengenommen noch lange nicht die Größe einesfranzösischen Departements haben. Der hochgebildete HistorikerHanotaux ist leicht durch jede geschichtliche Karte zu widerlegen.Das burgundische Reich berührte oberhalb Eleve niemals den Rhein— wenn wir von Pfandschaften absehen — und erst oberhalb vonTrier, zwischen Konz und Igel, beginnt burgundischer Machtbereich.Es führte durchaus irre, wenn man das im wesentlichen auf dasGebiet der Maas und der Nheinmündungen eingeschränkte und dasmittlere Moselgebiet nur knapp berührende burgundifche Reich aufdas Nheingebiet ausdehnt. Der Kampf von 1870/7! (und der vonheute) dreht sich nicht um altburgundische Lande, sondern Frank-reich will die jenseits der burgundischen Gebiete belegenen Gebietebis zum Nheine erwerben. Die burgundischen Gebiete, die dasheutige Belgien bilden, rechnet man als schon gewonnen. Wennderartige Dinge einem französischen Historiker ersten Ranges, dermit den Einzelheiten der Zeit durchaus vertraut ist, unterlaufen,ja den Ausgangspunkt seiner Geschichtsauffassung bilden, was sollman dann von dem französischen Gymnasial» und Volksschullehrererwarten? Ist das der entsagungsvolle Dienst der Wahrheit?
Eine beängstigende Fülle von Unwahrheiten enthüllt ein andererAbschnitt — und wieder ist es ein grundlegender Abschnitt derHanotauxschen Darstellung. Er schreibt:
Vcmd 1, S. M der autorisierten deutschen Äbersetzung.
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