fach die alten kirchlichen Grenzen, aber auch die weltlichen Gebiete.Unter König Nudolf war diesen französischen Ausdehnungsbestre-bungen gegenüber ein Erstarken des deutschen Nationalgefühles zubeobachten, doch zum offenen Kriege kam es nicht. Hinter NudolfsGegnerti stand im stillen Frankreich, Proteste und Grenzenquetenbezeichnen seine Negierung.
Schlimmer war der Verlauf der Negierung König Adolfs vonNassau. Der alte Gegensatz zwischen Frankreich und Englandführte damals zu einem neuen Kampfe und, wie es später so oft derFall war, bildete Flandern eine der Grundlagen des englischenAngriffes, und deutsche Streitkräfte dienten England.' Damalswaren es nicht einzelne Soldritter, nicht die Truppen einzelnerFürsten, der oberste Herr Teutschlands war ein englischer Söldlingund erklärte im englischen Interesse den Krieg. Doch er und seinniederrheinischer Anhang trieben es noch weit schlimmer. Sie ver-kauften sich an Frankreich; nach Empfang des französischen Geldesmarschierten die Teutschen nicht auf, König Adolf strich aber auchdie englischen Gelder ein. Ein ehrloses Doppelspiel, das einesLandsknechthauptmanns würdig war; die bettelhafte Kreatur geld-gieriger Kurfürsten nahm das Gold, wie sie es bekam. Der Königmit der hohlen Hand hatte Glück damit, daß sein Doppelspiel ge-heim blieb.
Die Verwaltung der Grafschaft Champagne war 1285 anFrankreich gefallen, eine intermediäre Gewalt damit verschwunden,und von dort aus erhob Philipp nun Ansprüche gegen die Grafenvon Var und die Herzöge von Lothringen. Champagnische Lehens-rechte boten meistens die Grundlage, andere Forderungen gingenweit darüber hinaus. Vei Göllheim besiegte Albrecht den KönigAdolf und trat nun als Herrscher in eine überaus schwierige Lage.Er hatte als Gegner Adolfs Beziehungen zu Frankreich und ver-handelte über eine Familienverbindung, das Neich stand aberoffiziell im Kriege mit diesem Lande. Der staatskluge Habsburgermußte geschickt operieren, er hielt sich anfangs zur englisch-flandri-schen Gruppe und deckte sich durch weitreichende Verbindungen.„Der herbe und rücksichtslose, doch seit den Staufern und bis aufKarl IV. der einzige in der Anschauung und Praxis der hohenPolitik aufgewachsene deutsche König"' hatte sich so eine Stellung
' Kern, Ausdehnungspolitik, S. 197.
98