um, das einem französischen Könige Ludwig die Herrschaft überden ganzen Orient versprach. Nie französische Phantasie umgabin demselben Sinne den großen Karl mit einer Fülle phantastischerLegenden, die dem Königtums Frankreichs von Nutzen waren.
Die deutsche Überlieferung hatte keine Brücke, die bequemvon der nüchternen Erneuerung des Kaisertums durch Otto zuKarl hinüberführte; in Deutschland lebte Karl als der Hüter undSchöpfer des Nechtes, in Sachsen als der Vringer des Christen-tums fort. Die Dichtung war hier stark von französischen Vor-bildern abhängig. Das wurde anders in den Tagen Barbarossas,der auch in einer Urkunde den großen Vorgänger priese Es istmöglich, daß sein großer Kanzler, Nainald von Dassel, an dieserKarlsverehrung in erster Linie beteiligt war. Ihm waren sicherlichin seinen Pariser Studientagen die Lieder französischer Sänger be-kannt geworden^ und ihm, der dem Gedanken des Kaisertums einesehr starke Ausdehnung gab und es viel weiter interpretierte alsseine meisten Vorgänger, war dann wohl auch die politische Be-deutung der Karlslegende aufgegangen. Gab es ein wirksameresMittel als das, nicht nur die Gebeine des Kaisers zu erheben, sondern .ihn auch heilig sprechen zu lassen, seine Gebeine der Verehrung derPilger auszustellen, in einer Vita seine Taten zu erzählen? Dashieß Karl dem deutschen Glaubensleben einfügen und ihn der fürDeutschland bedenklichen französischen Auffassung entziehen. SichereKunde über die Beweggründe des Kaisers und seines Kanzlers fürdie Heiligsprechung haben wir nicht, aber kaum einer sucht sieauderswo als vorwiegend auf politischem Boden. Die Konkurrenzvon St. Denis mußte nun vor Aachen erbleichen.
Die imperialistische Idee der Staufer erhob sich nun für nichtganz ein halbes Jahrhundert zum Anspruch auf die Weltherrschaft,und Nainald wagte die Staaten Frankreich und England als Pro-vinzen des Neiches und ihre Könige als rezuli zu bezeichnen. Auchder Dichtung fehlten solche Gedanken nicht, das Tegernseer Spielvom Antichristen kämpft gegen die Kaiseransprüche Frankreichsund, für das Weltimperium des deutschen Königs.
' Urkunde vom 8. Januar 1166 — die wohl echt ist — beiNauschen,Vie Legende Karls des Großen im 11. und 12. Jahrhundert (1890),S. 154—139.
° Sein Studienaufenthalt in Paris wird freilich nur aus seiner ÄbNngin der französischen Sprache erschlossen. Non. «Denn, 8cript, 29, 114. Vgl.Hofmeister, Neues Archiv 37, 145 ff.
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