Plutarchs scharfsinnige Bemerkungen. 297
Und gleich wie wir eine Mäßigung in Speiseund Trank in Bewegung und Vergnügen beobachtenmüssen : so müssen wir auch in unserm Schlafe dasMittel halten, und ihn weder zu lang ausdehnen,noch zu sehr abkürzen ; und sogar unsre Traume müs-sen natürlich und nur fiüchtig seyn, denn wenn sie ganzmit unserm Temperament streiten und fürchterlich sind,so müssen wir auf eine Ueberladung, oder auf eineüble Mischung der Safte unsers Körpers schließen.Und eben so ist es beschaffen, wenn sich eine ganz vonfreien Stücken entstandne Furcht, Traurigkeit, oderein Verdruß unsrer bemeisiert: dann ist es mehr, alswahrscheinlich, daß sich ein gewisser böser Dunst ausunserm kranken Körper mit unsern iebensgeistern ver«mischt, und sie in Unordnung bringt *).
Es würde in Rücksicht auf die Erhaltung unsrerGesundheit immer ein wichtiger Umstand seyn, wennwir unsre Freunde in irgend einer Krankheit besuch,ten, daß wir, ohne den Schein von Neugier oder Af»sectation einer medicinischen Gelehrsamkeit, theilneh«mend nachforschten: ob Ermüdung, Enthaltsamkeit,oder Ueberfüllung ihre Krankheit veranlaßt hätte;damit wir selbst auf solche Art die Nothwendigkeit
T 5 der
*) Niedergeschlagenheit', Traurigkeit mit Beanstiqungund Mattigkeit verbunden, sind sichre Kennzeichen,daß eine gefährliche Krankheit auf dem Wege und dergute Rath eines Arztes höchstnichig ist.
Anm. des Ueb»rs.