Druckschrift 
Diätetik vorzüglich für Studierende
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

Unzuverlaßigkeit der Heilkunde.Zehntes Hauptstück.

1O7

Ich will nun meine Abhandlung mit einigen all«gemeinen Bemerkungen beschließen, welche gewissedurchgängig angenommene Fehler, die so tief einge-wurzelt sind, daß man sie Volks-Irrthümer nennenkönnte, berichtigen sollen.

Einige richten ihre iebensordnung nach der Arteiner Person ein, welche sich eine Diät wählte, beider sie eine geraume Zeit in guter Gesundheit unun-terbrochen fortlebte. Allein dieß ist ganz falsch.Für's Erste, weil es bereits erwiesen ist, daß dasje-nige, was für den Einen gut ist, für den Andern dochwohl schädlich seyn kann. Für's Andere, weil, aufwas für Art wir auch unser Betragen einrichten, dochEinige länger, Andere kürzere Zeit leben werden.

Viele haben ein hohes Alter erlebt, ohne ihreganze lebenszeit je einen Tropfen Wein gekostet zuhaben, und Andre beinahe, ohne einen Tropfen Was-ser zu kosten. Einige haben bei einerlei Kost undzwar in sehr mäßiger Menge sich erhalten. Andrehingegen konnten alles ohne alle Einschränkung ge-nießen. Einige machen von hitzigen, andre von küh«lenden Dingen Gebrauch.

Der verstorbene Marquis von Mancera un-terhielt sich beinahe sein ganzes ieben hindurch vonChokolade, und gieng auch, während dem er am Fie-ber krank war, von deren Gebrauch nicht ab, und docherreichte dieser Herr ein Alter von ein Hundert und

acht