Unzuverlaßigkeit der Heilkunde. 71
auch davon! nichts wissen, außer, was man ihm da«von erzählt. Was soll mich also dazu antreiben,einen Arzt erst yarum zu fragen, was ich essenund trinken soll, wenn er es doch nur aus meiner Er-zählung wissen kann, was mir bekömmt, was ichleichtlich verdaue, was mir nicht schwer im Magenliegt, oder sonst Ungelegenheit macht.
Tiberius Cäsar spottete gemeiniglich überdie, welche im dreißigsten Jahre bereits einen Arztnöthig zu haben glaubten, und sagte, daß in diesemAbschnitt des iebens jedermann aus Erfahrung wissenmüsse, wie er, in Rücksicht auf seine Gesundheit,seine Diät einzurichten habe.
In der Th«t war auch dieser Grundsah der Con»siitution des Kaisers nicht nachthei!ig : denn, unge»achtet aller seiner großen diätetischen Unordnung, er»reichte er doch das sieben und achtzigste Jahr; Undvielleicht hätte er noch länger gelebt, wenn sein Nach»folger Catigula seinen allmäligen, langsam her»ankommenden Tod ^ hätte erwarten wollen: denn alleGeschichtschreiber kommen darinn überein, sein Tod seybeschleunigt worden, ob man gleich über die Art des»selben nicht einig ist.
Wiewohl nun dieser Grundsatz desTiberiuS über»Haupt genommen nicht so ganz richtig seyn möchte;so ist er doch ganz ungezwcifelt wahr, wenn wir ihnblos aus das, was wir essm und trinken,, anwenden.
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