Druckschrift 
2 (1775)
Entstehung
Seite
186
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186Darthula.Schon wurde die Ebne vom Abend ver-finstert, die blauen Ströme verschwanden vor mei-nen Augen. Ueber die Gipfeln der WälderSelamas brausten seltne Windstöß heran.Ich saß unter einem Baum an den Mauern mei-ner Väter. Truthil gieng meiner Seele vorbey:Truthil der Bruder meiner Liebe: er war abwe-send im Kampfe gegen den hochmüthigen Cairbar!Gebeugt über seinen Speer' kam der graulockigteColla. Dunkel ist sein niedergeschlagenes Antlitz,und Wehmuth herrscht in seiner Seele. SeinSchwert hängt an der Seite des Helden: derHelm seiner Väter steht auf seinem Haupt'. DieSchlacht glüht in seiner Brust. Er sucht seineThränen zu bergen.“Darthula, meine Tochter,“ sagt' er,„ du bist die Letzte von Collas Geschlecht'! ImKampfe ist Truthil gefallen, Selamas Gebieterist todt! Cairbar rückt mit seinen Tausenden,gegen die Mauren Selamas! Seinem Stolzewird Colla begegnen, und rächen seinen Erzeug-ten. Aber, o braunlockigte Darthula, wo werdich für dich Sicherheit finden? Du bist lieblich,wie der Strahl des Himmels, und deine Freundeſind alle gefallen!“ “Iſt der Sohn des Kampfesgefallen? sagt' ich, mit einem ausbrechenden Seuf-zer; hat Truthils großmüthige Seele aufgehörtdurch das Schlachtfeld zu blitzen? Colla in die-sem Bogen liegt meine Sicherheit; ich hab dieHirsche erlegen gelernt. O Vater des gefallenenTruthil, gleicht Cairbar dem Hirsche der EinödenichtFreude