Druckschrift 
2 (1775)
Entstehung
Seite
20
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Die Lieder von Selma.20ihren Streit auf dem Hügel; ihr Gesang warsanft aber traurig! sie klagten den gefallenen Mo-rar, den ersten der sterblichen Menschen! seineSeele war wie die Seele von Fingal; seinSchwert wie Oscaro Schwert; aber er fiel, undsein Vater ward traurig: die Augen seiner Schwe-stern waren voll Thränen; Minonas Augen wa-ren voll Thränen, der Schwester des im Wagengetragenen Morar. Sie zog sich von UllinsGesange zurück, wie der Mond in Westen, wenner den kommenden Regen vorsieht, und sein zier-liches Haupt in einer Wolke verbirgt! Ich rührtedie Harfe mit Ullin; der Gesang der Wehmutherhob sich!Ryno.Der Wind und der Regen haben sich ge-legt: der Mittag ist still; die Wolken sind getrenntin dem Himmel; über die grünen Hügel fliegtdie unstäte Sonne, roth durch das felsigte Thalstürzt sich der Strom des Hügels herab; lieblichist dein Rauschen, o Strom! aber noch lieblicherdie Stimme, die ich höre. Es ist AlpinsStimme, des Sohns des Gesangs; er trauertüber die Todten! sein graues Haupt ist gebeugt;und roth sein thränendes Aug. Alpin, du Sohndes Gesangs; warum allein auf dem schweigendenHügel? warum klagst du, wie das Lüftgen imWald; wie eine Welle am einsamen Ufer?Alpin.Meine Thränen, v Ryno! sind für die Tod-ten;