Druckschrift 
2 (1775)
Entstehung
Seite
18
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18 Die Lieder von Selma.und hier der brausende Strom! du versprachst mitder Nacht hier zu seyn. Ach! wohin ist meinSalgar gegangen? Mit dir würd' ich fliehen vonmeinem Vater; mit dir, von meinem hochmüthi-gen Bruder. Lang ist unser Stamm feindseliggeweſen; aber wir ſind nicht Feinde, o Salgar!Hör auf ein wenig, o Wind! ein wenigsey still, o du Strom! meine Stimme wird rund-um gehört; laß mein Wanderer mich hören! oSalgar! es ist Colma, die ruft. Hier ist derBaum, und der Fels; Salgar, mein Geliebter!hier bin ich. Warum zauderst du zu kommen?sieh! der stille Mond schreitet voran; der Flußglänzt in dem Thal! die neigenden Felsen desHügels sind grau; ich seh' ihn nicht auf dem Gi-pfel. Seine Hunde laufen nicht mehr vor ihmher; sie kündigen nicht sein nahes Ankommen.Hier muß ich sitzen allein!Wer sind die, die liegen neben mir auf der Heide?sind sie nicht mein Geliebter und Bruder? sprechtnur, meine Freunde? Colma antworten sie nicht;sprecht nur, ich bin allein! meine Seele ist ge-quälet mit Furcht! Ach! sie sind todt! ihre Schwer-ter sind roth von dem Kampf'. Ach! mein Bru-der! mein Bruder! warum hast du meinen Sal-gar getödtet? warum hast du, o Salgar meinenBruder erlegt? Ihr waret beyde mir theuer!Was soll ich sagen zu eurem Lob’? du warst schönauf dem Hügel in der Mitte von Tausenden! erwar schreckbar im Kampf. Sprecht nur; hörtmeine Stimme; hört mich, ihr Söhne meinerLiebe! Sie schweigen, schwegen für ewig! Kalt,kalt