— 268 —34. Das Jubeljahr. 1 )
(An Guglielmo da Pastrengo.)
Was treibst du? KUstest endlieh du zur FahrtNach Roms geweihten Stätten? Wirst noch längerDie Mühe scheun, die ewig Segen bringt?Noch länger sie verzögern? Viele Jahre5 Besitzt dich dein Verona, und es sollIn ferner Zukunft noch zu seiner FreudeDich, seinen Stolz, besitzen, bis es trauerndZu später Ruh' in seinen Schofs dich bettet.Gilt Rom dir nichts? Verhtit' es Gott! Es ist
10 So lange kund mir deine Sinnesart,
So oft erprobt' ich deinen Feuergeist, —Ich weifs genau, dein edles Streben wiesDich längst nach so erhabnem Ziel und spornteIm stillen dein Verlangen; doch es hält
15 Mit starkem Zügel dich die treue Sorge
Für's Haus, für's Vaterland und für die Deinen.Doch laut ergeht des Himmels Ruf an dich!Und du kannst zaudern? Sieh, der schmale Weg,Der Weg des Heils, ist gnädig aufgetan,
20 Geebnet hat ihn Christi frommer KnechtMit heil'ger Rede, und schon wandern draufGesellig Griech' und Brite, Keif und Cimber,Der Cypriot vereint dem Iren sich,Der Daker sich dem Sueven, der in Knoten
25 Sein Rothaar bindet. — Du allein machst Halt,
') Was P. inEp.II, 5,360ff. im Namen der Stadt Rom erbeten hatte,war von Clemens VI. gewährt worden; 1350 war als Jubeljahr festgesetztworden, und von allen Seiten zogen Pilger nach Rom, um des reichenSegens der Kirche teilhaftig zu werden. Und bei ihnen war auch P., derdie Reise dorthin über Plorenz unternahm. Er fordert seinen innig ge-liebten Freund Guglielmo in Verona (Ep. III, 3, Anm. 1) mit herzliehenund dringenden Worten auf, an der Pilgerfahrt teilzunehmen, ohne irgendwelche Rücksicht auf irdische Verhältnisse, Familie u.a. Doch scheintdie Aufforderung keinen Erfolg gehabt zu haben. Bemerkenswert ist derfrische, reiselustige Ton des Gedichtes, der an Bufspsalmen durchausnicht erinnert.