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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
266
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26633. Was wird aus uns?

(An Francesco de' Kinucci.) l )

Zwar leb' ich, doch mein Schicksal klag' ich an,

Dafs mich's die Zeit der Spätgeborncn sehn,

In Ungliicksjahre mich geraten liefs.

Wie stand' es gut um mich, war' in der Vorzeit5 Ich einst geboren oder sollte künftig

In ferner Zukunft erst geboren werden.

Denn weit beglückter lebte einst die Welt

Und wird, ich hoff's, in Zukunft glücklich leben.

Die Zwischenzeit, die böse Gegenwart10 Ist allen Schmutzes voll; es fiel ihr zu,

Den Leidenskelch bis auf den Grund zu leeren.

Aus dieser Welt sind Kunst, Verdienst und Glanz

Entwichen, blinder Zufall, Sinnenlust,

Sie schwingen dreist das Scepter, uns zur Schmach.15 Wir sind verloren, wenn zur Rettungstat

Wir nicht die letzte Kraft entschlossen sammeln.

Ein düstrer Strudel schleudert uns auf Klippen;

Man scharrt uns ein, der dürft'ge Grabstein nennt

Den wesenlosen Namen, unser Ruhm,20 So heils erstrebt, er ist ein leerer Schall.

Der Aschenkrug zerfällt, es trägt der Wind

Die Asche fort. Zur Erde mufs sich bücken

Der Wandersmann, der auf verwaschnem Stein

Die Inschrift sucht, die längst in Stücke sprang,25 Und kann sie doch nicht lesen. Alles wird

Vernichtet von der Zeit; willst du ihr trotzen,

') Über Fr. de' E. s. Ep. III, 22 und 23. Der Dichter teilt seineschmerzliche Unzufriedenheit, in so bösen Zeiten leben zu müssen, einbei ihm beliebtes Thema seinem Freunde mit; selbst das höchsteStreben des Humanisten, das nach Unsterblichkeit des Kuhmes, erscheintihm vergeblich. Nur das Streben nach himmlischen Dingen kann vondem Drückenden dieses Gedankens befreien. Die Anwesenheit desFreundes würde diese Bemühung erleichtern; darum schliefst P. mit einerEinladung.