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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
259
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25930. Der Roman von der Rose. 1 )

(An Guido Gonzaga, Herrn von Mantna.)

Erlauchter Fürst! Wie sehr Italiens SpracheAn Kunst und Wohllaut alle übertrifft,(Nur Griechisch nehm' ich aus, sofern der RufUnd Cicero die Wahrheit reden) 2 ) das5 Beweist dies kleine Schriftchen ;1 ) hier. Zum HimmelErhebt's der Franke, der ja stets als MeisterDer schönen Rede galt, und voll EntzückenStellt er's den höchsten Werken gleich. Man denke!Der ganzen Welt verkündet hier ein Franke,10 Was er geträumt: wozu die Eifersucht,Wozu die Liebe fähig ist; wie heifsDie Glut in Jünglingsherzen brennt; wie auchDas Alter gern von Liebe schwatzt; womitDer Liebe holder Wahn im Kampf sich rüstet,

*) P. überreicht dem Fürsten, der ein neues gutes Buch zu lesenwünschte, den berühmten französischen Rosenroman von Guillaume deLoris und Jean de Mung, seinem Fortsetzer. In diesem Roman erzähltder Dichter den Traum eines Jünglings, der voll Verlangen, eine herrlicheRose zu pflücken, viele Leiden und Gefahren besteht, bis er sein Zielerreicht. Das Ganze ist eine allegorische Darstellung der Liebe. Amorschiefst dem Jüngling fünf Pfeile in die Brust und entflammt ihn zurheifsesten Liebe. Eifersucht (Jalousie) bewacht die schöne Rose und bauteine Festung; eine Alte (la vieille) teilt in cynischer Weise dem Liebendenihre Lebenserfahrungen mit; auch praktische Ratschläge, wie man Liebegewinnen soll, werden dem Liebenden zu teil, wie in Ovids ars amatoria1,515 ff. P. setzt den Inhalt des Werkes herab und stellt die altenLiebesdichter, vielleicht auch seine eigenen Sonette, höher. Die Mitweltund die nächste Nachwelt teilte sein Urteil nicht, die Franzosen, z. B. diePariser Ausgabe au VII, tome V, p. 1516, stellen den Roman Dantegleich und höher als alles, was in Italien gedichtet sei. Die Gegenwartdürfte P. recht geben.

2 ) Ein offenes Bekenntnis der Unwissenheit im Griechischen. ImBrutus, c. 00, §310 sagt Cicero, dafs die griechische Sprache reicher anSehmuck der Rede" sei als die lateinische. (Vgl. die Herausgeber).

8 ) Der Ausdruck ist als ironisch anzusehen, wenn nicht vielleichteine besonders klein geschriebene Handschrift damit bezeichnet ist. Dennder Roman umfafst über 22 000 Verse. Ein Traum in drei Bänden.

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