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Franz Petrarcas poetische Briefe
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Den Star und schilt die andren blind; wie einstDas blinde Mädchen, dem das eigne Haus

110 Verfinstert schien, nach einem Führer rief,Ins Helle sie zu führen. (WohlbekanntIst dir der Scherz, der Seneca, den ernsten,Zum Lachen brachte.) l )

Unser Schlaukopf freilichBesitzt ein Lied, von mir mit eigner Hand,

115 Wie er behauptet, abgefafst; er zeigt

Die falsche Silbe jedermann und schuldigtMich öffentlich des Irrtums an. 0 Wunder!Dieselbe Silbe weist in meinem Hause,Wie sich's gebührt und ziemt, ihr rechtes Mafs,

120 Die rechte Dauer auf! Wenn so die UrschriftDer Abschrift widerspricht, warum ergehtEin Richterspruch in so gehäls'gem Sinne?War nicht vielmehr die Hast der Feder schuld,Des Schreibers Irrtum, der bei hohen Dingen

125 So oft sich findet? Und da wagt der Mensch,Der Neider, boshaft meinem DichtergeistDen Fehler beizumessen?

Doch es sei!Er sei so frech! Dann trifft mich einmal nurDer Tadel, der so häufig andre Dichter,

130 Ja, selbst Virgil getroffen. Denn im HerzenDes Dichters wechselt Glut und Eiseskälte;Auch Maro, stürmisch wie ein Held, ist dochAuf einem Fufse manchmal lahm. Was freiVon jedem Makel ist, das schuf ein Gott;

135 Doch Menschenwerk ist niemals tadelfrei.

Drum, wenn der Kläger ehrlich Klage führtUnd Recht begehrt in gutem Glauben, bleibt

') Seneca Ep. 50 erzählt von einer plötzlich erblindeten Sklavin seinerFrau. Die Sklavin habe ihre Erblindung nicht wahrgenommen, sondernoft nach einen. Führer verlangt, um gehen zu können, da das Haus ganzfinster sei. Darüber sei gelacht worden, um so mehr, als sie alsISarnuzur Unterhaltung diente. So sei der Mensch blind hinsichtlich seinereignen Fehler.

F. Friedersdorff, Petraroas poetlaohe Briefe. 1'»