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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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22420. Ein Bergsturz. 1 )

(An Guglielmo da Pastrengo.)

Aus klaren Diamanten aufgetürmt,Nicht aus Gestein, erhebt der Grenzwall siehDes Vaterlands. Ihn hätt' ich froh erblickt,Wärst du bei mir! Nun mulst' ich einsam schauu5 Die Schwelle und das Tor, von hartem EisDurch höchsten Künstlers Hand so fest gefügt,Manch wilden Gielsbach und die blaue Etsch,Die friedlich rauschend sich ins Tal ergiefst.Des hohen Ursprungs strömt sie stolz bewufst,

10 Doch steigt sie sanft herab und bittet nurUm Zutritt zu der Erde schönerm Teil.Bescheiden dankt sie ihres Schöpfers Güte,Die sie Veronas stolze Zinnen schaun,An grünen Hügeln und am Tummelplatz 2 )

15 Des Mars vorübergleiten läi'st und dannIhr Adrias berühmte Städte zeigt,Doch nicht den Ister, nicht das wilde Peuke, 3 )Nicht eis'ge Steppen, noch den düstern Strand,An dem des Skythenmeeres Woge brandet.

20 So lenkt des Schicksals Allmacht unser Los,

Und Lamm und Wolf, ja Strom und Land gehorchenDem gleichen Zwang. Mit angsterfülltem BlickSah ich des Felsenberges Niedersturz, 4 )

x ) Der Versuch des volgarizzatore von Rossctti, einen tiefen, ge-heimen Sinn in diesen Brief zu legen, ist nicht gelungen; P. gibt nur inKürze seinem Freunde Guglielmo die Eindrücke wieder, die er auf einerReise nach der Nordgrenze Italiens empfangen hat.

2 ) Tummelplatz des Mars heilst die lombardische Tiefebene, in derso viele Schlachten geliefert wurden.

s ) Peuke ist eine Insel im Donaustrome; vgl. Strabo VII, 301.

4 ) P. war auf seiner Fahrt auch an die Stelle eines berühmtenBergsturzes gekommen, den schon Dante, Inferno XII, 4 erwähnt, um dieSchrecken des Einganges zu einer anderen Bulge zu schildern, (vgl. dieHerausgeber zur Stelle). Ein Flui's, anscheinend die Etsch, war durchdenselben von seiner Bahn abgelenkt worden (v. 24).