Druckschrift 
Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

159

Durch Hitze, Hungersqual und harte Müh';Durch Faulheit andre und durch Schlemmerei.

255 Durch Liebeslust erschöpft liefs er vergehnIm Arm der Dirne jenen, liefs den andernIn langer Altersschwäche matt verenden.Doch andre nahm er schnell hinweg, durch HitzeDes Fiebers und der Krankheit scharfen Anfall.

260 Wozu berichten von der Männer Tod,

Der Reiche Sturz, der Städte UntergangUnd von den Völkern, die im Sturm vergingen?Es kommt die Zeit, da diese Welt zerbricht,Und Erd' und Meer und Höll' und Himmel wankt!

265 Und ihr vermögt zu klagen um so Kleines?Erhabner Trost, gemeinsam zu vergeh'nMit einer Welt, mit ihr gemeinsam sterben?

Seht hin! Zum Untergang eilt alles, undIhr wollt für euren Leib ein bleibend Heim

270 Hienieden finden? Wer das Recht bedenkt,Die Macht bedenkt, mit der erbarmungslosDer Tod gebietet, wird mit Fassung hören,Dafs er des Fürstenhauses Säule traf.War' unbewegt ihr Riesenbau geblieben,

275 So wuchs der Neid ins Unermess'ne fort.Denn himmelhoch erhob sie sich. Sie stiegDurch Gottes Hand; nur ihre Seiten streifteSein starker Arm; auf festem Grunde ruhtDer Prachtbau unerschüttert, und es flammt

280 Im Äther hoch der helle Säulenknauf.Wohl rasen Stürme um das stolze Haupt,Wohl ballen Regenwolken, zucken BlitzeUm seinen hohen Scheitel hin. Was macht's?Denn Ruhe herrscht, und stiller Frieden wohnt

285 Nur in der Tiefe, im versteckten Tal.

Doch auch in Tälern ist das Sterben bitter;Nur mehr bemerkt wird's, wenn der TodesstreichErhabnes trifft und edle Augen schliefst.Und wenn der Tod in dieser Welt nächst Gott

290 Und Himmels Ratschlufs unerbittlich herrscht,