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Vergefst die alte Zeit, beschaut gemächlich150 Mit kühlem Sinn die Gegenwart, und nie
Erspäht die Zukunft ahnend euer Blick.
So bleibt ihr Kinder bis zum letzten Hauch.
'S ist allbekannt! Genug! — Wie darfst du klagen?
Zu Ende ist dein Weg, so kehre um,155 (Ist's möglich) lege ab das Kleid der Menschheit,
Und kannst du's nicht, so trage stillgefafst
Mit wackrem Sinn, was dir das Schicksal bietet.
Auf langem Wege muls jedweder Wandrer
Viel Übles tragen, Staub und Wind und Regen,160 Bald Sonnenglut, bald eis'gen Frost und Schnee,
Bald tiefen Sumpf, bald steile Felsenschroffen.
Doch mannhaft trag' er alles, denn das Leben
Ist aller Mühen Heimat; Buhe findet
Der müde Wandrer erst an Grabes Band.165 Schau in der Welt dich um! Alltiberall
Erscheint des gleichen Leids vielfache Spur.
Du klagst um eignes Weh, beweine lieber,
Was alle trifft, der ganzen Menschheit Jammer!
Fällt dir die Menge lästig, deucht gering170 Dir ihre Niedrigkeit, wohlan, so lafs
Der Edlen Spuren einsam uns betrachten.Erinnre dich, wie jähen Sturz erlitt,
So reich an Helden einst, das Haus Cornels,
Gleich ihm Ämilius' Haus; wie beide Brüder175 Der Tod nach so viel Siegerschlachten würgte,
Durchs Schwert den einen, durch den Flammentod
Den andern; 1 ) wie er durch Exil und Kummer
Den hohen Scipiaden fortgerafft, 2 )
Und dessen Enkel durch der Gattin Arglist; 3 )
') Die Brüder P. und Cn. Scipio, die Spanien sechs Jabro lang ver-teidigt hatten, kamen um, der eine fiel in offener Schlacht, der andereverbrannte in einem belagerten Turme. Livius XXV, 32—36.
a ) Scipio Africanus der Ältere starb, zerfallen mit den Körnern, ivnExil zu Liternum.
») P. Cornelius Scipio Ämilianus, der Zerstörer Carthagos, soll vonseiner Gattin Sempronia, Schwester der Gracchen, vergiftet worden sein.Sie wollte den Tod ihrer Brüder rächen.