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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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Voll Stolz uns zeigt und doch so lange schonErschöpft verharrt in tatenloser Ruh,

125 Du magst noch ferner Deutschlands Völker nennen,Die hoch im Norden, wenn die Freiheit ruft,Zum Tode alle freudig eilen; immerWas du auch finden, wo du's finden magst,Es ist gering, wenn du's mit Rom vergleichst!

130 Durchs Land der Makedonier magst du wandern,

Den jungen Feuerkopf, den alten PhilippAus ihren Gräbern wecken: sammle draufWas allesamt an Taten sie vollbracht,Und wenn du dann, von Liebe nicht verblendet,

135 Das Urteil sprichst, so wird kein Zweifel bleiben:Sie reichen nie und nimmermehr heranAn Romas Gröfse!

Nun hat dieses Weib,Einst mit Triumphen ohne Zahl geschmückt,Verlassen jetzt von beiden hehren Gatten, 1 )

140 Ein unvergefslich Beispiel aller WeltGegeben von Fortunas Doppelwesen:Bedrängten war sie einst ein offner Hafen,Der Klippe gleich bedrohte sie den Stolz!Und heut? zu aller Spott ist sie geworden!

145 Zu deinen Füfsen hat sie trauervoll

Noch jüngst gefleht, dein Herz bewahrt ihr Wort.Doch hielt dich fest die schwere, grofse Frage:Was schauen dürfte die erlöste ScharWenn aus des Leibes Kerker sie befreit

150 Und abgetan sei ihrer Menschheit Fessel:Ob dann die Wolke sänke, dafs den GlanzDes Himmels sie und Gottes Antlitz sähen,Und ob erst dann, wenn aus geborstnen SärgenDie auferstandnen Leiber sich erhöben,

155 Sie reine Wonne säh'n, doch nicht zuvor! 2 )

») Vgl. Ep. I, 2 .

2 ) Johann XXII., der Vorgänger Benedict XII., hatte die Behauptungaufgestellt, dafs die Seligen nicht sofort nach ihrem Tode, sondern erstam jüngsten Tage das Antlitz Gottes schauten. Die Kirche hatte bis