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Voll Stolz uns zeigt und doch so lange schonErschöpft verharrt in tatenloser Ruh, —
125 Du magst noch ferner Deutschlands Völker nennen,Die hoch im Norden, wenn die Freiheit ruft,Zum Tode alle freudig eilen; — immerWas du auch finden, wo du's finden magst,Es ist gering, wenn du's mit Rom vergleichst! —
130 Durchs Land der Makedonier magst du wandern,
Den jungen Feuerkopf, den alten PhilippAus ihren Gräbern wecken: sammle draufWas allesamt an Taten sie vollbracht, —Und wenn du dann, von Liebe nicht verblendet,
135 Das Urteil sprichst, so wird kein Zweifel bleiben:Sie reichen nie und nimmermehr heranAn Romas Gröfse!
Nun hat dieses Weib,Einst mit Triumphen ohne Zahl geschmückt,Verlassen jetzt von beiden hehren Gatten, 1 )
140 Ein unvergefslich Beispiel aller WeltGegeben von Fortunas Doppelwesen:Bedrängten war sie einst ein offner Hafen,Der Klippe gleich bedrohte sie den Stolz! —Und heut? — zu aller Spott ist sie geworden! —
145 Zu deinen Füfsen hat sie trauervoll
Noch jüngst gefleht, — dein Herz bewahrt ihr Wort.Doch hielt dich fest die schwere, grofse Frage:Was schauen dürfte die erlöste ScharWenn aus des Leibes Kerker sie befreit
150 Und abgetan sei ihrer Menschheit Fessel:Ob dann die Wolke sänke, dafs den GlanzDes Himmels sie und Gottes Antlitz sähen,Und ob erst dann, wenn aus geborstnen SärgenDie auferstandnen Leiber sich erhöben,
155 Sie reine Wonne säh'n, — doch nicht zuvor! 2 )
») Vgl. Ep. I, 2 .
2 ) Johann XXII., der Vorgänger Benedict XII., hatte die Behauptungaufgestellt, dafs die Seligen nicht sofort nach ihrem Tode, sondern erstam jüngsten Tage das Antlitz Gottes schauten. Die Kirche hatte bis