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Den Blick und die gesenkte Stirn gewendet,Dem tiefsten Grund der Dinge sann er wohl
105 In ernstem Schweigen nach: durch welche Kräfte 1 )Der starke Strom entspränge, der doch wiederSo schnell verschwände, trieh's ihn zu ergründen,Und in der Erde unbegrenzte TiefenBegierig nach Erkenntnis, heifs in Sehnsucht
110 Wies ihm sein Geist den Weg. Auch sprach er wohlZur Göttin seines Glücks erhabne Worte:„Welch süi'ses Trugbild gaukelst du mir vorUnd schmeichelst treulos mir mit falschem Lächeln?Ich weifs es wohl, dai's mich der Tod erwartet,
115 Ob auch die Welt, einmütig in Bewundrung,
Mein Haupt allein mit Kronen schmücken wollte.Wenn auch die seltne Treue dich begleitet,Und du mir lange, gleich Metellus 2 ), huldigst, —Dies alles fällt dem Tod zur leichten Beute;
120 Ein Streich von ihm zerschmettert dein Geschenk.Kein Strom verrinnt mit so geschwindem Lauf,Wie unsers Lebens Zeit. Zwar reichlich schwellenAus Quellen neugeboren Ströme wieder, —Doch wenn von uns das Leben schwindet, ach, —
125 Wohin entweicht's? Aus welcher Quelle jeIn aller Zukunft könnt' es sich erneun,Wenn nicht des Tods Bezwinger, der zur HölleAls Sieger eindrang und das Tor des Grabes,Das seinen Leichnam barg, gewaltig sprengte, —
130 Der frohe Scharen von Entschlafnen aufwärtsZum Himmel mit sich ril's, — der arme SeelenAus langer leidensvoller Qual erlöste, —
*) Über das Wechseln des Wasserstandes der Sorgue vgl. Ep. III, 3,Anmerkung 2.
"') Über das während eines langen Lebens sieh stets gleichbleibendeGlück des Q. Metellus Macedonicus berichtet Valerius Max. VII, 1: Metelluswar Haupt einer vornehmen Familie; drei seiner Sühne waren Konsularen,einer gewesener Censor und Triumphator, einer gewesener Prätor, dreiTöchter waren in glücklicher kinderreicher Ehe verheiratet. „SelteneTreue" nach Horaz, carm. I, 35, 21 rara Fides.
F. Triedersdorff, Petrarcas poetische Briefe. 3