Der Pcrfonlllkredit des ländl. Kleingrundbesitzes im Großherzogtnm Hessen. 493
und ersetzt. In wohlhabenden Ortschaften kommt es auch nicht seltenvor, daß die Einlagen der Kasse deren Inanspruchnahme für Darlehneständig übersteigt. Hier ist also die Anlage der überschüssigen Gelder,die durch Vermittlung der Centralkasse durch Hypotheken u. s. w. erfolgt,eine Hauptbethlltigung der Kasse geworden.
Die Anlage überschüssiger Kapitalien erfolgt in den Gegenden mitstarker Vodenzersplitterung und lebhaftem Güterwechsel, die in Hessensehr ausgedehnt sind, mit Vorliebe in „Restkaufschillingen". Das heißtin solchen Fällen, wo Güter zerschlagen oder kleine Grundstücke verkauftweiden, der Verkäufer den Kaufpreis bar bezahlt haben will, der Käuferihn zur Zeit aber nur zum Teil geben kann, treten die Darlehnskassenals Käufer der Restkaufgelder, die öffentlich versteigert und je nach demZinsfuß und der Sicherheit über oder unter Pari verkauft werden, einuud zahlen dem Verkäufer den Kaufpreis aus. Sie werden so dieGläubiger des Käufers, den sie verpflichten, feine Schuld in etwa 5 oder6 Jahresraten abzuzahleu, und dessen Land ihnen für die Forderunghaftet. Diefe Geschäfte wurden früher von städtischen Kapitalisten besorgt,die sehr hohe Provisionen dafür nahmen, uud sie wurden in ärmerenGegenden und zu schlechten Zeiten, wo wenig Nachfrage war und dieRestkaufgelder zu ganz billigem Preise zu erstehen waren, mit Vorliebevon Wucherern gemacht. Diese Form des Realkredits für die kleinstenländlichen Besitzer, die dabei auch wesentlich auf der perfönlichen Kredit"Würdigkeit des Schuldners beruht, mußten die Darlehenskassen über»nehmen, weil sie dadurch vielen ihrer Mitglieder wesentliche Vorteilebringen konnten, insofern die Käufer von Land nun bequeme Abzahlungenam Orte felbst, billigere Spesen und, da durch die Konkurrenz der Dar-lehnskassen die Restkaufgelder höheren Wert erhielten, bessere Ankaufs»bedingungen gewannen, während gleichzeitig auch die Verkäufer sicherergingen. Die Darlehnskassen haben die Provisionen solcher Geschäfteganz erheblich eingefchrankt und manchmal ganz befeitigt.
Gegenwärtig herrscht in einigen Genossenschaften die Neigung vor,dies Gefchäft, das etwas größere Gewinne abwerfen kann, auf Kostendes Personalkredits übermäßig auszudehnen und über die Verwendungder überschüfsigen Gelder, ja über die Grenzen des Vereinsbezirks weithinauszugehen, so daß der Verband warnend dagegen einschreiten muß:„Auch durch große Überlastung mit Kauffchillingcn sind einige Vereinein ungünstige Gefchäftslage gekommen. Wo die vorhandenen Betriebs-mittel in Kaufschillingen festgelegt weiden, da fehlt es hernach bei knappemGeldbestand an den nötigen Betriebsmitteln zur Befriedigung des Per«
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