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1 (1896) Süddeutschland
Entstehung
Seite
391
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Der Personaltredit des ländl. Kleingrundbesitzes im Grohherzogtum Hessen. 391

mutzte. Der Landwirt in seiner vollständigen Vereinzelung war vomFabrikanten und Händler absolut abhängig, die Preise wurden nur vonletzteren diktiert, ohne daß der Käufer den geringsten Einfluß auf derenBildung hatte, sie wurden in einer exorbitanten Höhe gehalten, welche zudem Werte der Düngemittel und Futterstoffe außer allem Verhältnisstand. Von Garantieleistung war leine Rede; dem Betrug, der Ver-fälschung und der Übervorteilung war Thür und Thor geöffnet, und eswurde dieser Zustand von dem Handel, von desfcn damaliger teilwciserNnreellitat man heute fast keine Ahnung mehr hat, ja an die man sichvielleicht nur ungern mehr erinnert, redlich, oder besser gesagt sehr unred-lich und nach Kräften ausgenutzt.

„Welche Zustände damals herrfchten, möge aus den Thatfachen er-sehen werden, daß Schwerspatmühlen ungefcheut und öffentlich ihreProspekte an die Mühlenbesitzer und Mehlverkaufer versendeten und darinihr Produkt zur Verbesserung des Mehls empfahlen, daß in Norddeutfch-land besondere Fabriken zur Herstellung künstlichen Samens aus Thonbestanden und vortreffliche Gefchäfte machten, ohne daß eingefchrittenwurde, daß zu Preifen die künstlichen Düngemittel damals ohne Garantievertauft wurden, für welche heute nur der dritte, ja der vierte Teil des-selben bei gleichzeitiger Garantie für die Wertbestandteile auszugeben ist.Keine chemische Untersuchung der von den empfangenen Waren ge-zogenen Probe wurde zugestanden, die Versuchsstationen hatten damit sogut wie keinen Einfluß, kurz es war ein Zustand vorhanden, dessennachteilige Wirkung sich in gewisser Beziehung noch bis zur Stundegeltend macht, denn das durch die betrübenden Verhältnisse hervorge-gerufene, berechtigte, heute selbst vorhandene Mißtrauen unserer Bauernim Warenbezug, der immer noch vielfach hervortretende Mangel aneigenem Betriebskapital wirkt heute noch nach und dürfte zum Teil inersterer Beziehung auf die immense Übervorteilung, gegen die der einzelnesich nicht wehren konnte, zum andern auf die ungeheure unnütze Ausgllbe-leistung sür teure und grundlos schlechte Ware zurückzuführen sein^."

Der erste Rohstoffverein wurde 1861 gegründet, bald folgten anderenach, und nach einem Jahrzehnt machte sich das Bedürfnis eines ein-heitlichen Zusammenschlusses der Vereine geltend. Darüber berichtetWeidenhammer^: „Wie aber besonders im landwirtschaftlichen Ge-

l Verbandsdirettor Haas im Jahresbericht der hessischen landwirtschaftlichenGenossenschaften für das Jahr 1392.- A. a. O. S. 70.