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Die dichterische Sprache Göthe's ist nicht, was die Weltfür gewöhnlich schön nennt. Der blumige Ausdruck, derschwungvolle Stil, die zierlichen und schmückenden Beiwörterder Heine uud Homz sind ihr so gut wie fremd: sie ist imäußersten Maße einfach, völlig ungesucht und ungekünstelt —wie das Gefühl, das sie verkündet — bloße Natur: aber geradedarum von der seelischen Schönheit derart durchleuchtet undveredelt, daß der Prunk der Kunstdichter ihr gegenüber gemeinerscheint. Gleichviel was dieser Dichter auch sagen mag:immer ist es die naturreinste Empfindung, derer wir wie infolgedes feltensten Zaubers gerade in dem Augenblicke gewahr zuwerden vermeinen, in welchem der Kuß eines Gottes sie zumLeben weckte. Wie sich die Welt am holdesten verkündet, wenndie Sonne, bevor sie sich voll erhebt, ihren ersten goldigenStreif über die entgegenbangende Erde wirft, und auf einmaldie fchamhllfte Natur entschleiert vor dem entzückten Auge desSchauenden liegt: so unentstellt von den Mängeln und demStaube späterer Stunden, so taufrisch und in ewiger Jugend —lebt und beglückt das Güthesche Lied.
Druck von Hesse ^ Necker in Leipzig.