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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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stellung von dieser flennenden Liebespein eines männlichenGeschöpfes zu machen verstanden; und ebensowenig hätte Horazmit seinem strammen Egoismus in ein christliches Zeitalter ge-paßt. Allerdings liebte man auch in Rom und Athen, aberman that dies ohne Umschweif und so natürlich wie möglich:man hätte Heine ganz allgemein schlechtweg für wahnsinnig ge-halten. Und ebenso ist der Deutsche des neunzehnten Jahr-hunderts selbsüchtig wie der Römer unter seinen Casaren, nunmuß er es weniger offen treiben: eine fo unerschrockene Lebens-ausnutzung wie diejenige des Horaz würde bei einem modernenMenschen für gottlos gelten. Die Zeiten haben sich geändert;mit diesen oder besser vor diesen noch die Ideen, die mit ver-nehmbarem Flügelschlage unsere Häupter umkreisen: aber jenesalte Geschlecht war naiver, und die Gesellschaft von heute istdurchgehends verlogen. Eine tiefsinnigere Weltanschauung unddie völlig veränderte Stellung der Frauen in der nachchristlichenZeit zeichnen dem Dichterling unserer Tage genau den Weg vor,den er gehen muß, um sich erfolgreich nähren zu können: ermuß empfindsam sein, obschon er am liebsten mit dem Lateinergemeinsame Sache machte und gleich diesem seine Pläne. diekurze Spanne des Erdenlebens recht gründlich im Genusse aus-zunutzen in Versen niederlegen mochte. Da die Gegenwartaber ein solches Bekenntnis als höchst unmoralisch verurteilt, sodürfte selbst der ärgste Sünder sich scheuen, für fo verständiggehalten zn werden, obschon beinahe jedermann dies ist. Denndie Gesellschaft ist weit über Mehrzahl kaltsinnig; und wenn so,dann im moralischen Sinne auch nur noch verständig. Werohne Leidenschaft ist, regelt ganz natürlich sein Leben lediglichmit dem bloßen Verstände; alles, was er thut, bestimmt dahernicht mehr die Seele, sondern einzig seine Leiblichkeit: so handelter denn verständig und dies ist der Egoismus in seiner scham-losesten Gestalt. Kaltsinn, Verständigkeit und Selbstsucht sinddrei Ausdrücke für ein und denfelben sittlichen Begriff. DerKaltsinnige, der Verständige sucht nur sich. Das Christentum