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einen. Heine, der in Deutschland geboren wurde und daselbstgroß geworden ist, um spater in Paris zu leben und zuenden, hat sich jedoch nie so recht als Deutscher gefühlt.Herzensneigung und Verhältnisse, die nicht ihm allein zurLast gelegt werden können, entschieden bei ihm für Frank-reich. Er liebte das letztere, während ihm Deutschland gleich-gültig wurde, wo er es nicht haßte. Unzählige Äußerungenbekunden dies in uuwidersprechlicher Art: und solches ist imübrigen auch durchaus natürlich. In Deutschland sah man aus ihn
— die wenigen ausgenommen, die höher standen — wie aufeinen Menschen zweiter Ordnung; sobald er die Grenze Frankreichsüberschritten hatte, empfand er die ganze Wonne einer unein-geschränkten Gleichberechtigung. Heine hätte weniger als Menschsein müssen, wäre er nicht dankbar dafür gewefen. Darum ver-blieb er auch dort, wo er gewissermaßen verwandtfchaftlich auf-genommen wurde, und fühlte sich daselbst ganz zuhause. Gelegent-lich überkamen ihn wohl die Träume der Vergangenheit, die ihn indie alte Heimat riefen, wo noch feine alte Mutter lebte; aber erwar froh, fobald er erst wieder die Trikolore wehen sah. Dasist nicht bloß verständlich, das ist sogar würdig. Es wäre hündischgewesen, nach einer Gemeinschaft zu jammern, die ihn mehr oderweniger verächtlich von fich wies. Er hat nie aufgehört, äußer-lich ein Deutfcher zu bleibeu, uud die vorteilverheißende Zumutung,französifcher Bürger zu werden, hat er abgelehnt. Über dieGründe hierzu hat er sich selbst ganz offen und durchaus glaub-würdig ausgesprochen: es erschien ihm ungeheuerlich, demDeutschtum in seiner Eigenschaft als deutscher Dichter, die denganzen Inhalt und Ruhm seines Lebens bildete, abzuschwören
— wäre es ihm möglich gewesen, den französischen Dichterebenso schnell gegen den deutschen einzutauschen, so würde ihnnichts daran gehindert haben. Aber die ersten zwanzig Jahreeines Menschenlebens, in denen fich Sprache uud Seele innigund geheimnisvoll gegenfeitig durchdringen, sich gemeinsambilden, so wachsen, blühen und reifen, vermöchte selbst das