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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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der unablässig bemüht erscheint, alles, Hohes und Niederes inder Welt, zu seiner unsterblich eitlen Selbstbesviegelung zu miß-brauchen. Nicht, daß der Versmacher hier an unrechter Stelleerschrickt und auch schon wieder einmal flennt, ist das lächer-lichste daran — manche Menschen können vielleicht nicht anders,als auf dem Kopfe stehen, wo andere Leute auf ihren Füßengehen; aber daß der vollendete Geck ganze Tagemärsche macht,nur um über seinem wirklichen, kleinen, albernen, saftleerenHerzen ein großes, blutiges zu malen und diese knallrote Pinseleiauf weißer Weste mit der Flamme der untergehenden Sonnewetteifern zn lassen: das ist schon untermenschlich, das ist Äfferei.

Allen diesen dichterischen Späßen der Empfindsamkeit gegen-über gewährt es einen Trost, zu wissen, daß deren Fähigkeitzu täuschen, an dem unverfälschten Gefühle des naiven Menschenihre Schranke findet. Ohne sich erst Rechenschaft darüber zu geben,wird ein folcher jede Empfindelei ohne weiteres von sich weisen, weildiese als natürlicher Gegensatz ihm widersteht. Vor der Auf-gabe, die mangelnde Leidenschaft in der Poesie künstlich zu ersetzen,muß so der rein verstandesmäßige Versuch unausbleiblich scheitern.

Heinrich Heine ist kein Dichter der Liebe — wie ihm dieWelt der Leidenschaft überhaupt verschlossen blieb: er ist imwahren Sinne des Wortes nur der — Berichterstatter der Liebelei,und als solcher ebenso häufig gefühlsfelig wie fchäkernd, oft-mals fchmutzig und ab uud zu fchlechthin ekelhaft. So fastimmer nur tändelnd, muß er es endlich selbstverständlich er-zwingen, daß ein tieferes Gemüt ihn überhaupt nie mehr ernst-haft nimmt und mit gutem Recht jede nähere Gemeinschaft mitihm ablehnt. Wie felten, daß ein Wort von ihm leuchtendunsere Seele trifft! wie oft dagegen, daß die quälerifche Ahnung,genarrt zn werden, jede Gefühlsregung in uns erstickt, und stattder Empfindung nur die Grübelei über den gewollten oder un-gewollten Sinn oder Unsinn der Rede wachruft! Und doch hatgenau von diesem Dichter erst kürzlich noch der graziöse Paul

Heyse gesungen:

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