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Kein Beruf, lediglich die Eitelkeit hat solche dazu verführt, derunaufhaltsam fliehenden Poesie die Fußtapfen zu zählen. Witzigerund von reicherer Einbildungskraft als die große Masse, mochtensie leicht mit etwaigen Freunden in den Phantasien ihres Liebes-fiebers die ursprüngliche Dichternatur entdecken und sich — täuschen.Denn jenes buntscheckige Durcheinander von allerlei Einfällen in-bezug auf ein und dasfelbe Gefühl bezeugte im Gegenteil, daßes nicht die Liebe und die Tiefe, sondern nur die Liebelei unddie Oberfläche war, aus welcher der launische Verstand sein leeresSpiel trieb. Gleichwohl entzückt von dem eigenen holden Bilde,das ihm der Vers- und reimumrankte Spiegel entgegenwirft unddas er immer von neuem wieder betrachten muß, gelobt sich nunder eitle Jüngling auch über die — Grete hinaus noch um Liebezu werben und zu klagen, und die — Not beginnt. Denn jeneerste traumverlorene Regung der Geschlechtsliebe, die seinefrühesten dichterischen Ergüsse wie mit einem Schimmer von echterPoesie umwob, ist dahin: und der junge Mann kennt nur nochim hurtigen Wechsel die Begierde und den Genuß. Wie nochferner etwas besingen, das als volle Empfindung in ihm garnicht mehr lebendig wird, und das im ersten Entstehen schon dierasche Befriedigung erstickt? Wie es sicher ist, daß kein echtesLiebeslied zu erstehen vermag, wo nicht der sinnliche Drang dasFeuer schürt, ebenso gewiß ist es, daß ein jedes sich gemein undäußerlich ausnehmen wird, wenn sich in ihm nicht die tierischeNatur bis zur schönen Menschlichkeit verklärt. Wo solches ge-schieht, hat es die Leidenschaft der Menschenliebe gethan, die nichtbloß das Geschlecht, sondern mehr noch die Seele umwirbt. Abergerade diese letztere vertiefte Eigenschaft mangelt für gewöhnlichdem jugendlichen Dichter der Minne, der nach seinem ersten knaben-haften Gefühlsraufche begierig auf immer neue Entdeckungenausgeht und zuletzt eine jede seelische Empfindung im schnellenGenusse verliert. Die menschlichere Leidenschaft, die erst derreifere Mann mit feiner Liebe voll erfaßt, lernt er überhaupt niekennen: fo muß denn vorhalten, was ihm noch die Erinnerung