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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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ein wenig gesitteter geworden aber was die Hände nichtmehr verüben dürfen, das übernehmen dafür seither Zunge undFeder mit ungezügelter Gier. Indessen! eine ehrliche Kunst-kritik, die ihrer Sache gewiß ist, wird vor solch' bedrohlichenZukunftsbildern kaum erbleichen dürfen ja! man wird sogarvon ihr verlangen müssen, daß sie so viel Selbstachtung besitzt,um, gleichgültig gegen alle Stimmen des Unbehagens, lediglichdie Ergebnisse ihrer Forschung zu betrachten und diese alsdannauch in wohlüberlegter Weise auszufprechen. Dem Wohlwollenihrer Leser mag sie sich dabei immerhin empfehlen: und daswill auch ich hiermit gethan haben.

Dürfte man den Fanatikern des neues Heiles glauben, sohätte selbst der Weimarische Dichterfürst ihren Gott nur nochunter tiefen Bücklingen und mit den Worten: mein großerHeinrich Heine! zu begrüßen verstanden. In Wirklichkeit habensich jedoch solche Begegnungen ganz anders zugetragen. Ge-legentlich hat Göthe nämlich über Heine folgende Bemerkunggemacht:es ist nicht zu leugnen, er besitzt manche glänzendeEigenschaft: allem ihm fehlt die Liebe; er liebt so wenig seineLeser wie seine Mitdichter und sich selber; und so kommt manin den Fall, auf ihn den Spruch des Apostels anzuwenden:und wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete undhätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eineklingende Schelle." Das klingt doch etwas anders als: meingroßer Heinrich Heine!

Der jnnge Heine hatte Göthe sein Buch der Lieder ge-schickt; drei Jahre später meldet er seinen Besuch an:ich willgar nicht beschwerlich fallen," schreibt er,will nur Ihre Handküssen und wieder fortgehen." Gleichwohl muß die Begegnungbei beiden keine angenehme Erinnerung zurückgelassen haben.,Göthe soll nach der allerdings sehr trüben Überlieferung derFamilie Heine herablassend und freundlich gewesen sein undendlich auch gefragt haben, womit Heine sich im Augenblick dich-terisch beschäftige.Mit einem Faust!" hätte dieser darauf