540überzeugend ein, daß kein Heil für ihn ausder Beurtheilung anderer Menschen entspringenkan, in so fern er solches, um seinen eignen,oder anderer Menschen inneren Werth zu be-stimmen, versuchen wil. Und an der anderenSeite fühlt er dabei lebhaft, wie sehr er im-mer auf seiner Huth seyn und bleiben mus,um nicht in Erfüllung ein oder anderer Pflichtläßig zu werden; und daß er bei seinen Mängelnhauptsächlich die Folgen nicht gehörig aufgeklärterBegriffe und fürnemlich seiner Temperaments-fehler nicht verhüten könne, öfters zu stranch-len; ja, daß der Mensch in die Nothwendig-keit gesetzet werden könne, zwischen zweien an-scheinenden, und nicht zu verbinden möglichenPflichten zuweilen eine nur erfüllen zu können;und die andere unbefolgt zu lassen; es mithinsodann nicht zu verhüten sey, daß eine solcheUnterlassung, bei nicht gehoͤrig unterrichtetenMenschen, anstößig scheinen müsse. Bei die-sen Empfindungen, Mein Freund! kan wolkein Schatten von Stoltz, noch Sicherheit mehrübrig bleiben; sondern die entdeckten Mängelund Fehler des Nächsten, werden den Men-schen vielmehr zur Demuth und Mitleiden an-setzen. Er wird seine eigne moralische Schwä-che so wol, als die der anderen Menschen,eben so ansehen, als er die physischen Krankhei-ten anſiehet, nemlich als Mängel, die keinMensch dem anderen vorwerfen sol, noch miteiniger Schicklichkeit vorwerfen kan; sondernbei deren Entdeckung, er sich zwar aufs mög-lichste
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Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
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