123die Athenienser von allem schwätzen können;von allem etwas wissen; es mus etwas haben,womit es sich brüsten könne, eben als ob Ei-gendünkel die wahre Triebfeder grosser Seelenwäre. Und wie ſiehr's mit der Religion aus?Davon wird bei vielen Kindern völlig abstra-hirt, man glaubt die Kinder könnten sich dochkeine deutliche Begriffe von Gott machen, eswürde sie also nur verwirren; eben als ob dieEltern fähig wären dergleichen deutliche Begriffeſich bilden zu können, und die Kinder, keinerhöheren Bewegungsgründe ihre verkehrte Lüstebezwingen zu lernen, behürften. Groß zeigtſich hier die Unwiſſenheit; da doch die chriſt-liche Religion für die Bedürfnisse eines jedenAlters und jeden Standes hinreichend geſorgethat, indem ſie hinreichende Kenntniß und gnugſam einleuchtende Bewegungsgründe lieſerte,um den Menſchen zur Erkentniß ſeines eigent-lichen Glückes nicht allein, sondern auch zumBeſtreben es zu erhalten, anzuſezen. Anderefühlen wol die Nothwendigkeit höherer Triebefür den angebenden Menſchen und reden dem-ſelben von hoͤheren Bewegungsgründen; alleindie jetzigen algemeinere Begriffe eines grossenTheils des Publikums von Gott ſind nicht vielbesser, als die der Athenienser; jeder schaft sicheine Religion, und bildet ſich Gottes Eigenſchaf-ten nach seinen eignen Einsichten. Und wasmus man endlich von der Moral des Zeitalterssagen, in welchem einige es als Bedürfniß an-gesehen haben, selbige nicht allein unter aller-
Druckschrift
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten