99Steifheit ausartende Festigkeit, nebst ihren an-haltenden Leibesübungen, waren nun freilich inihrer Staatsverfaſſung nothwendig; unterdeſſensahen ihre Gesetzgeber gar bald ein, daß selbi-ge doch durch etwas nothwendig gemäßigetwerden müſten, wenn in allen Fällen ſelbigezum dauerhaften Wohl des Staats abzweckenſolten.Das Mittel dazu suchten sie in derMusik.Plato sagt deshalb: (a) die Gym-naſtik macht die Seele wild, und erſtickt alleedle Begierde zur Kenntniß und Veredlung,wo ihr die Muſik nicht zu Hülfe komt. Nichtanders dachte Ariſtoteles. Er ſagt nemlich(b) die Musik ist eins von den Dingen, welcheergötzen und vergnügen. Die Tugend aber be-steht darinnen, daß wir uns recht vergnügen,daß wir recht lieben, recht verabscheuen. Alsoiſt kein Zweifel, daß man Muſik lernen muß,und daß man nichts sichrer durch beständigeGewohnheit erlangt, als sich auf die rechteArt an guten Sitten und guten Handlungen zuvergnügen. In den Tonarten und Gesängenſind Zorn, Sanſtmuth, Tapferkeit, und alles,was dieſen entgegen iſt, und ſonſt zur Sittlich-keit gehört, getreu nach der Natur ausgebrückt.Dieſes iſt klar aus der Wirkung. Denn unſreganze Seele stimmt sich nach dem was wirben hören. Die Gewohnheit bei verwandtenG 2Dar-(a) L. 3. de Republ.(b) Polit. I. 8. c. 5.
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Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
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