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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
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Band VII.

II. Abschnitt: Nervöse Störungen nach Verletzungen der Wirbelsäule und des Rückenmarkes.

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Name

und

Regiment

Art, Ort undTag der

Verletzung

Krankheitssymptome

gleich nach der

Verletzung

Diagnose

Verlauf

felde zu tragen, musstenaber davon abstehen,da die Schmerzen des

Verletzten zu grosswaren. Am 19. AugustMorgens 4 Uhr wurdeer auf einer Trage nachSte. Marie aux Chênesgebracht. Hier wurde

die Kugel herausge-schnitten. Ausser einervollständigen Lähmungbeider Beine war eineLähmung des Mast-darms vorhanden.

verletzten Dornfortsatz gemachteEinschnitt. R. fing an, mit Hilfevon Stöcken im Zimmer langsamzu gehen. Die Lähmung der Beinebesserte sich seitdem langsam aberstetig. Patient ist am 5. Februar1 1872 im Stande, ungefähr 10 Mi-nuten weit mit Hilfe von zweiStöcken, allenfalls auch mit einemStocke zu gehen, aber schon nachden ersten Schritten stellt sichMüdigkeit, Schwäche und Ziehenin beiden Beinen ein; der Krankehat das Gefühl, als ob das Rückgratdurchbrechen wollte und als ob sichein eisernes Band rings um Brust

und Leib lege. Die Muskulatur der Beine, welche im ersten Monate nach der Verwundung ganz atrophirtwar, ist jetzt wieder stärker geworden, aber noch immer schwach. Die Lähmung des Mastdarms bestehtanscheinend noch in geringem Grade fort, da der Stuhlgang sehr verhalten ist. Der Oberkörper des R. istziemlich kräftig und die Gesichtsfarbe gesund.

29. Juli 1873: In dem Zustand des R. ist eine wesentliche Besserung eingetreten; die Lendenwirbel sindallerdings auf Druck noch empfindlich, auch tritt nach der Angabe des Invaliden sehr leicht Ermüdung unddas Gefühl ein, als ob in der Lendengegend ein Zusammenbrechen erfolge. Lähmung des Mastdarms nichtmehr vorhanden. Der Ernährungszustand der Beine ist ein ziemlich guter, die Empfindung an denselbennicht gestört. Der Gang bietet keine auffallenden Erscheinungen.

9. Juli 1875: Der Ernährungszustand der Beine ist wie der des Rumpfes und der Oberextremitäten einguter. Die Empfindlichkeit an den Lendenwirbeln ist noch in ziemlich hohem Grade vorhanden, auch trittbeim Gehen und Bücken leicht Ermüdung ein.

R. zeigt sich Mitte des Jahres 1883 als ein muskelstarker, gut genährter, vollkommen gesunder rüstigerMann ohne alle Störungen seitens des Centralnervensystems und der peripheren Nerven. Lehafte Patellar-Reflexe. Kein Fuss-Phänomen.

Wilhelm Rolfs II,

Kaiser AlexanderGarde-Grenadier-Regiment No. 1.

Fall auf einer

Treppe mit einem

Hafersacke, wobei

der Sack auf das

Genick fiel.

5. März 1871.

Kurze Ohnmacht.

Rücken-

marks-erschütte-

rung.Beginn mit

leichtenSymptomen.

Rolfs fühlte sich auch am anderenTage nicht wohl und wurde zuleichterer Arbeit kommandirt. Wäh-rend des Marsches am 12.März 1871vermochte er der Kompagnie nurzu Wagen zu folgen, zwei Tagespäter sollen Krampfanfälle in beiden^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Armen aufgetreten sein. Ebensoerkrankte er während des Marsches am 23. März 1871, diesmal angeblich an einem Blutsturz, der den ganzenTag hindurch andauerte. Nach zweitägiger Revierbehandlung wurde er in ein Feldlazareth aufgenommenund bereits am 26. März mit der Bahn nach Berlin evakuirt. Im dortigen Barackenlazareth auf dem Tempel-hofer Felde behandelte man ihn mit Einreibungen, Einpinselungen von Jodtinktur, Blasenpflastern etc., ohnedass indess die bestehende Schmerzhaftigkeit der Rückenwirbelsäule, die sich nach dem Falle allmälig eingestellthatte, nachliess. Ebenso erfolglos blieb auch spätere Behandlung in einem Privatlazareth vor dem PrenzlauerThor (bis zum 31. Mai). Von dort wurde er nach dem Regimentslazareth und am 20. August behufs elek-trischer Behandlung nach dem Garnisonlazareth verlegt. Diese, sowie tägliche Bäder, erzielten auch keineBesserung.

Status vom 27. Oktober 1871:Rolfs ist von kräftigem Körperbau, die Muskulatur noch jetzt ziemlichgut entwickelt, aber schlaff. Farbe der Haut und der sichtbaren Schleimhäute blass, an Händen und Füssenfällt eine leicht bläuliche Farbe und Kälte derselben auf. Längs der Brust- und Lendenwirbelsäule sieht manältere und neuere Schröpfkopfnarben, sowie angeblich und augenscheinlich durch frühere Blasenpflaster be-dingte bräunliche Flecke. Auf dem Bauche liegend, sucht der Kranke den Körper durch Unterschieben einesKissens unter den Unterleib zu stützen, weil ihm angeblich das Durchdrücken der Wirbelsäule (die Herstellung

Quelle

Kranken-Journaleund

Invaliden-Akten.