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IV. Kapitel: Erkrankungen des Oentral-Nervensystems und nervöse Störungen nach Verletzungen.
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intcndii't wurden, gewann es an Intensität und griff auf dieExtremitäten über. Dasselbe geschah bei jedem Affekte.Hitzig hielt das Krankheitsbild für Paralysis agitans, ob-wohl es hauptsächlich als Begleiterscheinung der willkür-lichen Innervation auftrat. Dieser Umstand verdientausdrücklich hervorgehoben zu werden, da Hitzig' s Defi-nition der Schüttellähmung von der anderer Autoren wesent-lich abweicht. In einem zweiten Falle konstatirte Hitzigbei einem durch einen Bajonettstich in den Oberschenkelverwundeten Schutzmann, welcher durch Narbenexcisionvon der traumatischen Epilepsie befreit war, eine Ent-wickelung choreiformer Bewegungen. John Packardschnitt bei einem 11 jährigen, drei Monate nach einerVerwundung durch einen grossen Holzsplitter unter demDaumennagel an Chorea erkrankten Mädchen einen halb-kreisförmigen Lappen mit dem subkutanen Bindegewebe ausder schmerzhaften Stelle am Daumen, wodurch ein unmittel-barer Nachlass der nervösen Erscheinungen und 2 Monatenachher völlige Heilung der Chorea eintrat. Wood be-richtete über einen Fall von einseitiger Chorea nach Am-putation des linken Unterschenkels bei einem 74jährigenManne. Von Ataxie nach peripherem Trauma ist uns nurder häufiger citirte Fall Ley den's bekannt geworden. Ein22jähriger Zimmergeselle erlitt durch einen herabfallendenBalken eine Fractura multiplex humeri dextri. Der Kopfund die Wirbelsäule wurden nicht getroffen. Zwei Monatespäter zeigten sich folgende Störungen des Nervensystems:eine Sprachveränderung, eine fortdauernde leicht schwin-gende Bewegung des Kopfes, bei Unterstützung aufhörend,Ataxie der Extremitäten bei intakter Hautsensibilität, stoss-weise Bewegungen der Extremitäten und Verlangsamung derBewegungen. Eine Kur mit Jodkali und der Gebrauchdes konstanten Stromes beeinflussten den Zustand nicht.
I. Wilhelm Brookmann, Musketier im 6. WestfälischenInfanterie-Regiment No. 55, fiel gegen Ende des Feldzuges beimPostenaufführen über eine Eisenbahnschiene und brach denrechten Vorderarm. Seiner Angabe zufolge betraf der Bruchnur einen Knochen; ob Elle oder Speiche, Hess sich später nichtmehr feststellen. Die Behandlung fand 4 Wochen im Revierstatt und bestand in einem Schienenverband. Da die Heilungmit Schiefstellung der Hand nach aussen erfolgte, so wurde derArm künstlich nochmals gebrochen, von Neuem ein Schienen-verband angelegt und der Mann am 26. April 1871 dem Feld-lazareth No. 8 des VII. Armeekorps überwiesen. Hier sofortGipsverband; nach Entfernung desselben nach 3 Wochen Zitternder Hand und Gefühl von „Fliegenlaufen " am rechten Vorderarm.
Status vom 20. April 1872 : Der rechte Arm wird, imspitzen Winkel gebeugt, in einem Tuche fest gegen die Brustgelegt getragen, und bemerkt man so an ihm keine Bewegung.Sobald derselbe aber aus dem Tuche herausgenommen, ohnefeste Unterstützung gelassen wird, geräth er in zitternde Be-wegung, welche anfangs schwach, allmälig immer stärker auf-tritt. Während zuerst nur die Muskeln der Hand und desVorderarms das bekannte Oscilliren zeigen, nimmt allmälig dieMuskulatur des ganzen Armes daran Theil. Im Schlafe ver-schwindet das Zittern, tritt aber sofort ein, wenn B. er-weckt und der Arm ohne Unterstützung hängen gelassen wird.
Am rechten Handgelenk wird eine vollständige Streckung j,Beugung nicht vollbracht, während sie passiv unter Schmerzen,äusserungen möglich ist. Der mit der rechten Hand ausgeühDruck (wenn auch gleichzeitig mit der linken) ist = 0. {JStuhl wird mit dem rechten Arm nicht erhoben, kleinere Gegastände, wie ein Hörrohr etc. werden zwar unter beständigeZittern erfasst, entfallen aber der Hand bald wieder. Die Lkalisation von Berührungen der Haut mit der Nadelspitzetam rechten Arm nicht so genau an der Kleinfingerseite, mam linken, doch ist diese Berührung selbst rechts viel empfin;licher wie links. Messungen der Umfange ergaben rechts ulinks keinen Unterschied, Verkürzung besteht nicht. N*10 Minuten langem Herunterhängen der rechten Hand lu-deren Umfang um etwa '/* cm zu- und deren Haut eine dunkletins Livide spielende Färbung angenommen. B. klagt §.Schmerzen in der rechten Hand und im Vorderarm, die«bei Druck verstärken, über das Gefühl von „Fliegenlaufeidie unangenehme Empfindung des Zitterns, undjlass der reelArm leichter kalt werde als der linke. Von dem Knocheibruch ist keine Spur mehr nachweisbar.1874: Derselbe Befund.
II. Christof Friedrich Hoffmann, geboren am 25.311842, giebt an, in Folge beständigen Zitterns in der reckOberextremität — dem Sitze seiner im Kriege erworbentSchussverletzung — zujedemErwei-b, ja selbst zu den gewötalichsten Lebensverrichtungen unfähig geworden zu sein.
Attest des Stabsarzt Fetzer vom 14. September 18Í„Bei der Betrachtung des Invaliden im bekleideten Zustand filalsbald ein andauerndes Zittern auf, welches von der recht;Oberextremität ausgeht und durch seine Intensität den gam,Körper leicht erschüttert. Dasselbe geht ohne Unterlass fjund steigert sich, sobald der Invalide irgend eine Bewegutmit dem Gliede auszuführen bestrebt ist, oder sobald man sibemüht, die Extremität durch Festhalten zur Ruhe zu zwingtin merklicher Weise und versetzt dann den ganzen Körpdurch kurze Stösse in eine solche Unruhe, dass die Sprache lInvaliden stoss- und ruckweise wird, wie dies z. B. der 1ist, wenn Jemand auf einem harttrabenden Pferde reitend!sprechen versucht. Durch dieses Zittern wird die Extrem«in ihrer Totalität in kurze, krampfhafte Schwingungen «setzt, wobei die einzelnen Theile der Gliedmaassen ihrerseiSchwingungen mit geringer Exkursionsbreite vollführen.
Der Kranke kann den Arm zwar etwas erheben, weniund beugen; allein jede Bewegung steigert das Schütteln mdabei ermangelt der kranke Arm so sehr der Kraft, dass J-Invalide ausser Stande ist, mit der Hand etwas festzuhalttoder mit dem Arm einen Gegenstand gegen den Körper uzupressen. Dem entsprechend ist er unvermögend, seil:rechten Arm zu irgend einer Thätigkeit zu gebrauchen; ikann mit der Hand nichts ergreifen, sich nicht an- oder mkleiden, er kann die Hand nicht zum Essen etc. gebrauchesondern bedarf zu allen derartigen Verrichtungen der H33seiner Umgebung. Ausserdem hat die Beobachtung gezeigdass jede selbst massige Erregung des Nervensystems, *psychische Emotionen oder körperliche Anstrengungen, iSchütteln im kranken Arm erhöht und dasselbe auf den übrigKörper zu übertragen geeignet ist.
Um sich davon zu überzeugen, ob und wie weit etwa üfcWille des Invaliden auf das Zustandekommen und die Int«sität des Leidens von Einfluss sein möchte, wird derselbetiefe Chloroformnarkose versetzt, und dabei ergiebt sich einerseits, dass das Schütteln erst mit dem Eintritt vollständig!Betäubung nach und nach vollkommen verschwindet, an»
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