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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
77
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1 T Band VII.

I. Abschnitt: Tabes und Paralysis agitans nach peripheren Verletzungen.

»uf die Stromesrichtung, täglich 5 Minuten lang längs demRückenmark, wobei die eine Elektrode möglichst hoch amNacken wegen der Augensymptome applizirt wurde. Damitwurde örtliche galvanische Reizung des paretischen m. rectusextern, verbunden. Schon nach der 2. Sitzung fand ich zumeiner Freude und Ueberraschung Gang und Sehen gebessert.Das Doppelsehen trat nur mehr bei Akkommodation für ganznahe Gegenstände und bei forcirtem Sehen nach links ein, auchnäherten sich die vor der Sitzung um 2 bis 3 Zoll entferntenDoppelbilder jedesmal nach derselben bis auf */j Zoll. Nachetwa 5 Sitzungen konnte Pat. wieder die feinste Schrift lesen.Während aber in der Folge sowohl die Gefühle von Pelzigsein,als auch die lokomotorischen Störungen vollständig verschwanden,gelang eine vollständige Beseitigung der Augenmuskellähmungin keiner Weise.

Als Pat. am 11. Juni nach der 21. Sitzung entlassen werdenmusste, bestand noch ein geringer Grad von Amblyopie undParese des Rect. ext. auf dem linken Auge fort. Die spinaleReflexerregbarkeit war noch gesteigert, die lokomotorischenFunktionen ganz zur Norm zurückgekehrt. Die Behandlungwurde ganz in derselben Weise noch 4 Wochen von HerrnDr. M ai er in Karlsruhe fortgesetzt, ohne dass aber eine weitereBesserung des Augenleidens zu erzielen war. Auch stellte sichEnde Juni vorübergehend wieder einmal unsicherer Gang ein.Pat. ging nun zur Erholung in die Schweiz. Anfang Oktobersah ich ihn wieder, vollkommen genesen, im Stande, die grösstenBergtouren zu machen und seit einigen Wochen vollständig be-freit von den letzten Spuren seiner Abducensparese. NachT. Krafft-Ebing.

IV. Friedrich Brandt, Oberjäger im l.Schlesischen Jäger-Bataillon No. 5, verwundet am 6. August 1870 bei Worth. Pat. be-kam eine Kugel. Eintrittsnarbe unter dem acromion nach aussenTom Gelenkkopf, länglich, weich, nicht empfindlich. Der Ver-letzte behielt eine geringe Armkontraktur im Kubitalgelenk,die sich bald verlor. Später trat eine solche am kleinen undRingfinger ein.

Im November 1870 epileptiformer Anfall, der sich bis zum20. April 1871 vier Mal wiederholte. Nach dem ersten Anfallwar Patient fast gelähmt, konnte nicht laufen, die Arme schlechtbewegen, hatte einen steifen Nacken, Schmerzen im Rückenund den Beinen, sowie in der rechten Fusssohle, Formikationen,Wadenkrämpfe. Nach Laufen eine Beklemmung über demMagen von der Wirbelsäule ausstrahlend. Schwanken beimGehen und Stehen mit geschlossenen Augen. Lendenwirbel-säule auf Druck schmerzhaft, ebenso die Muskulatur beiderBeine. Der Boden wird gut gefühlt. Auf den Zehen konnteder Kranke sich nicht erhoben halten, auf einem Beine nichtstehen.

1. Juni 1871 ungeheilt entlassen.

V. Friedrich Köster, Füsilier im Garde - Füsilier-Regiment, wurde in der Schlacht bei Gravelotte durch einenStreii'sohuss am Kopfe verwundet. Nach der Verletzung stunden-lange Besinnungslosigkeit. Nach Wiederkehr des Bewusstseinsfanden sich keinerlei Lähmungserscheinungen und der Ver-wundete konnte in das Lazareth zu Düren evakuirt werden.Während der Behandlung in diesem Lazarethe stellte sich seinerich bt Angabe zufolge ein Rückenübel ein. Anfang November 1870iden wurde er, von der Kopfwunde geheilt, dem Ersatzbataillon über-siehe! geben. Hier fing er aber alsbald an, über Schmerzen in denPat: Beinen zu klagen und musste dem Garnisonlazareth zu Berlinücksi zugeführt werden. In diesem stellte man, gestützt auf die Ab-

schwächung der Sensibilität in den Fusssohlen, den ataktischenGang, die lancirendeu Schmerzen die Diagnose Tabes.

1873: Schwindel, Schmerzen im Rücken, Schwäche undZittern der Beine ohne Atrophie, Schwanken bei geschlossenenAugen.

1877: Zustand unverändert.

VI. Mathias Frings, Pionier, ging am 29. September1870 dem Feldlazarethe zu Vendenheim mit einer Quetsch-wunde am rechten Schienbein zu. Am nächsten Tage wurdeer nach Cöthen evakuirt. Hier angekommen klagte er überlebhafte Schmerzen in beiden Unterextremitäten, demnächstauch in der linken Schulter. Diese Schmerzen steigerten sichund waren bereits am 15. November 1870 mit einer Paresebeider Beine verknüpft. Nicht lange danach stellte sich auchein Schwächezustand in den Armen ein. Dazu gesellte sicheine deutliche Abnahme der Tastempfindung und des Schmerz-gefühls. Die Wirbelsäule schmerzte bei Druck auf die Dorn-fortsätze der untersten Brust- und der Lendenwirbel. Am21. Juni 1871 wurde der Kranke in diesem Zustande demGarnisonlazareth Magdeburg zur Behandlung mit dem kon-stanten Strome übergeben. Es trat hierdurch aber eine Besserungnicht ein.

24. Juni 1872: Aufgehobenes Gehvermögen, Abmagerungund Temperaturherabsetzung der unteren Gliedmaassen, Verlustder Schmerzempfindung, Tastempfindung vermindert.

10. Juni 1874: Druckschmerzhaftigkeit der Brust- undLendenwirbelsäule. Paralyse und Atrophie der Beine. Tem-peratur und Empfindungsvermögen sehr herabgesetzt.

Muskelzittern in Form schwacher, rhythmisch aufein-anderfolgender Kontraktionen wird nach peripheren Traumenhäufiger beobachtet. Meist nimmt es einen günstigen Ver-lauf und verschwindet nach kürzerem oder längerem Be-stände spontan oder unter Mitwirkung einer geeignetenBehandlung. Door sah ein Mädchen von 19 Jahren,welches sich einen Dorn unter einen Nagel des rechtenFusses eingetreten hatte. Augenblicklich verspürte eseinen lebhaften Schmerz und bald bemächtigte sich seinerein Zittern, welches anfangs auf den verwundeten Fussbeschränkt war, sich jedoch nach und nach ausbreitete.Das Zittern verschwand späterhin (Charcot). Prädisponirendmag bei dieser Art des Tremor eine gewisse angeboreneoder erworbene Schwäche des Nervensystems wirken. Auchdie Paralysis agitans ist mitunter im Gefolge von Ver-letzungen der Extremitäten nachgewiesen worden. So er-zählt Charcot von einer Frau, welche durch einen Fallvom Wagen eine heftige Kontusion des linken Oberschenkelserlitten hatte. Einige Zeit darauf trat in der verletztenGliedmaasse ein lebhafter Schmerz auf, welcher dem Ver-lauf des Ischiadikus entsprach, und bald nachher stellte sichZittern in dieser ganzen Extremität ein. Während dasZittern anfänglich vorübergehend war, wurde es späterhinpermanent und griff schliesslich auch auf die anderenGliedmaassen über. Hitzig' s Kranker, durch eine Kreis-säge am linken Vorderarm schwer verletzt, zeigte einleichtes Zittern beim aufrechten Sitzen nur in den Nacken-und Halsmuskeln. Sobald aber irgend welche Bewegungen

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