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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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i Viertes Kapitel.

Erkrankungen des Central-Nervensystems und nervöse Störungenverschiedener Art nach Verletzungen.

Erster Abschnitt.Tabes und Paralysis agitans nach peripheren Verletzungen.

In der Aetiologie der Tabes sind periphere trau-matische Ursachen diesseitiger Kenntniss nach nur vonE. Schulze angeführt worden. Hieraus erhellt ohneWeiteres, dass, wenn überhaupt eine äussere Verletzung zurEntwickelung der grauen Degeneration der Hintersträngedie Anregung zu geben vermag, diese Pathogenese wohlnur eine äusserst seltene sein kann. Von den bekanntestenKlinikern wird sie geradezu angezweifelt, freilich nichtdeswegen, weil die hypothetische Erklärung des Vorgangesauf Schwierigkeiten stösst. Warum soll nicht die durchdas Trauma bedingte abnorme Reizung der peripherenNerven sich den Stämmen und Wurzeln entlang bis aufdas Rückenmark verbreiten und hier wie in anderen Be-zirken, so auch in dem interstitiellen Gewebe der Hinter-stränge jene entzündlichen Vorgänge veranlassen können,welche; sekundär die: Atrophie und Degeneration der ner-vösen Elemente herbeiführen? Oder warum soll die nachder peripheren traumatischen Neuritis auf dem Wege derPropagation entstandene Entzündung der Pia des Rücken-marks nicht einmal allein die Hinterstrangsklerose induziren?Hauptsächlich die Seltenheit der Erscheinung begründetdie erwähnten Zweifel. Eine bessere Einsicht in den kau-salen Zusammenhang sämmtlicher bis jetzt aeeeptirtenUrsachen der in Rede stehenden Centralerkrankung isterst mit der Erkenntniss von der Bedeutung des Patellar-

sehenreflexes möglich, und ebenso fruchtbar wie die Unter-suchung dieses Reflexes für die Diagnose der Tabes ist,ebenso fruchtbar wird sie auch für ihre Aetiologie undwie im Hinblick auf die unten stehende Mittheilungv. Krafft-Ebing's gleich hinzugefügt werden mag fürdie Beurtheilung der Therapie sein.

Im Anschluss an eine Verwundung wurde die Tabeswährend des Feldzuges sechsmal beobachtet. Der dritteFall ist von v. Krafft-Ebing im Archiv für klinischeMedizin, Bd. IX mitgetheilt, der vierte rührt von denPrivataufzeichnungen Berg er's, die übrigen Kranken-geschichten fanden sich in den Invalidenlisten, v. Krafft-Ebing erwähnt ausdrücklich, dass sein Kranker auchvielen Erkältungen und Durchnässungen auf Märschenund in den Biwaks ausgesetzt gewesen war. Ebenso wares bei Flings (VI), welcher die Strapazen in den Tranchéenvor Strassburg mitgemacht hatte. Köster (V) war nacheinem Attest eines Oldenburger Arztes seit dem 12. bis13. Lebensjahrean mannigfachen Beschwerden krank ge-wesen, welche auf eine schwere Erkrankung des Rücken-marks gedeutet und sich von Jahr zu Jahr gesteigerthatten". Im Widerspruche mit dieser Angabe befand sichaber das Zeugniss des Kompagniechefs, welches die völligeGesundheit und Rüstigkeit des Mannes von Anfang seinerDienstzeit bis zur Verwundung hervorhob.

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