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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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III. Kapitel: Traumatische Reflexneurosen, sekundäre traumatische und Drucklähmung.

18. August 1870 einen Gewehrschuss in den rechten Unter-schenkel, in Folge dessen eine Verkürzung und Abmagerungdieses Körpertheils eintrat. Zugleich konnte R. wegen derlähmungsartigen Schwäche des ganzen Gliedes nach Heilungder Wunden nur mit Krücken gehen. Aber in Folge des an-dauernden Druckes der rechten Krücke auf die in der Achsel-höhle gelegenen Nerven entstand auffallend schnell eine sensibleund motorische Lähmung und eine solche Atrophie des Gliedes,dass sein Umfang im Februar 1871 einen Zoll weniger maass alslinks. Die Hand war damals im Handgelenke gar nicht be-weglich und ihre Finger, fortwährend gestreckt und kalt, Hessennur eine ganz geringe Bewegung zu.

1873 waren von der Krückenlähmung keine Folgen mehr übrig.

VI. Drucklähmung des n. axillaris, musculocutaneus,radialis, ulnaris, medianus.

Jacobi, 25 Jahr, am 22. Oktober 1870 am Bein ver-wundet. Vom 24. bis 28. Februar 1871 erste Gehversuche anKrücken. Am 28. Februar beginnendes taubes Gefühl undAmeisenkriechen im Bezirk des rechten n. ulnaris, welches sichcentripetal fortschreitend auf die ganze Extremität verbreitete.Zunehmende Schwerbeweglichkeit sämmtlicher Muskeln, biszur völligen Lähmung sich rasch steigernd. In der Folge Ge-fühl von Schwere, Taubheit, Ameisenkriechen, Kälte. Der Armmagerte ab, die Lähmung blieb komplet und unverändert bisauf die letzten 3 Wochen, wo sich fortschreitend Besserung zeigte.

Stat. praes. am 24. April 1871: Ober- und Vorderarm um2 cm abgemagert. Erhebung des Arms bis zur Horizontalennicht möglich (Parese des m. deltoideus), Parese der Streckerund Beuger des Vorderarms, der Flexores manus et digitorum,der Pronatoren und Supinatoren; komplete Lähmung der mm.interossei, lumbricales, der Extensores manus et digitorum.Hand schlaff herabhängend und etwas nach der Ulnarseite ge-wendet durch vorwiegende Lähmung der mm. extens. und flexor,carp, radialis. Faradische und galvanische Erregbarkeit vonMuskeln und Nerven normal, ausgenommen im n. radialis, wosowohl für den galvanischen als faradischen Keiz die indirekteErregbarkeit fast aufgehoben, die direkte erheblich vermindertund im n. extensor, carp, radial. = 0 ist.

Die elektromuskuläre Sensibilität allenthalben intakt, des-gleichen die kutane, ausgenommen im ganzen Kadialisgebiet,wo sie sehr vermindert ist.

Die Behandlung bestand in täglicher Keizung der Nerven-stämme und Muskeln mittelst der Ka. labil.

Während nach 14 Sitzungen die Lähmung aller übrigenMuskeln beseitigt war, erwies sich die im Gebiet des n. radialisäusserst hartnäckig, ja sogar die indirekte faradische Erregbar-keit sank temporär auf Null und die Farado- und Galvano-kontraktilität nahm noch weiter ab.

Ziemlich plötzlich kehrte um die 25. Sitzung die kutaneSensibilität im Radialgebiet wieder. Damit koinzidirten eineerhebliche Besserung der Erregbarkeit für indirekte und direktefaradische Ströme und beginnende Wiederkehr der Motilitätder vom Radialis versorgten Muskeln. Die Besserung schrittvon da ab rasch fort. Als Patient am 4. Juni fast völlig her-gestellt nach 37 Sitzungen entlassen werden musste, war jedeBewegung ausführbar, die Muskelkraft jedoch noch gering; dieindirekte galvanische und faradische Erregbarkeit zur Normzurückgekehrt, die Faradokontraktilität normal, die galvanischeMuskelerregbarkeit noch etwas vermindert.

VII. Drucklähmung des n. musculocutaneus und vonRadialis- und Medianusästen.

Leonhard, 24 Jahr, am 22. Oktober 1870 verwundet.Mitte Februar erster Gebrauch von Krücken. Schon nach wenigen

Band Tffoi letzt

Tagen stellte sich Prickeln und Pelzigsein in den zwei letzt-Fingern der linken Hand ein, das sich auf die ganze Handbreitete. Patient fuhr fort an Krücken zu gehen. Nach weitetzwei Tagen trat Parese in den Beugern und Streckern der Haund den Fingern sowie der Beuger des Vorderarms ein. IHand hing schlaff und kraftlos herab und wurde unbraucltnStat. praes. am 25. April: Linker Oberarm um 3, limVorderarm um 2 cm abgemagert. M. biceps und brachial, lparetisch, Vorderarm in Pronationsstellung (Lähmung dessupinator brevis), Dorsal- und Volarflexion der Hand nunvollkommen möglich; Hand nach der Ulnarseite abgewie(Lähmung des m. flexor, carp, radialis), Fingerbewegung iitiKutane Sensibilität unversehrt. Normale elektrische Eeattauf alle Stromesarten. Die Therapie bestand in labiler iReizung des n. perforans, medianus, radialis. Schon niwenigen Sitzungen gelang die volle Flexionswirkung der Bei-des Vorderarms, dann kehrte die Funktion des Flexor, etradialis, endlich die der Extensores manus und des Supina;brevis zurück. Am 13. Mai nach 12 Sitzungen konnte Patitgenesen entlassen werden.

VIII. Drucklähmung yon Radialiszweigen.

Schütze, 28 Jahr. Seit März Gebrauch von gut ipolsterten Krücken wegen Beinschuss. Seit Anfang Maiginnende Parese des Extensor, carp. rad. et ulnar., Exten;digit, communis. Hand hängt schlaff herab, Finger nicht stre.bar. Extensores pollicis intakt. Normale indirekte, verminMdirekte faradische und galvanische Erregbarkeit. KutsSensibilität intakt. Keine Muskelatrophie. Behandlung mittindirekter galvanischer und faradischer Reizung. Am 20. mnsPatient evakuirt werden. Auf 6 Sitzungen hatte sich die t.kürliche Bewegung gebessert, so dass die Dorsalflexion der Himöglich war. Die normale elektrische Reaktion bestand for

IX. Drucklähmung von Radialis- und Medianuszweii»

Reuter, 26 Jahr, Krückengebrauch wegen Paraplégie mMeningitis spinalis. Seit einigen Wochen zunehmende Panund taubes Gefühl in Vorderarm, Hand und drei ersten Finge

Stat. praes. am 16. Mai: Parese der Strecker der reckHand und Finger, der Beuger der zweiten und dritten Phakdes ersten bis dritten Fingers. Hand kann nur bis zur Htzontalen gestreckt und nicht zur Faust geballt werden. Haudruck kraftlos. Interossei und lumbricales nicht geläbKutane Sensibilität intakt. Normale elektrische Reaktion, «genommen im Radialgebiet, wo die indirekte Erregbarkeit,faradische und galvanische Ströme vermindert ist, bei »minderter Faradokontraktilität und intakter Galvanokontntilität der paretischen Muskeln.

Behandlung: indirekte und direkte faradische Reiznebst labilen galvanischen Muskelströmen. Nach wenijSitzungen normale Reaktion und Motilität im Medianusgebiet,nach 11 Sitzungen auch im Bezirk des Radialis wiedergekehrt*:

X. Parese des linken Vorderarms durch Druck.

Friedrich Günther, 31 Jahre, geboren in WornmKreis Bomst, Sergeant im 18. Infanterie-Regiment, erkrankt2. Januar 1871, abgegangen als geheilt am 9. Mai 1871. J

Während der linke Arm über einer Stuhllehne lag,lieh-Taubheit desselben, Kälte, Gefühllosigkeit. Erst altóreduzirte sich die Lähmung auf ein Schwächegefühl im i>Parese im linken Zeige- und Mittelfinger mit FormikatioiTemperatur- und Sensibilitätsherabsetzung einhergehend, ftbeiden Finger sind blasser als die übrigen, welch letztenihren Bewegungen ein wenig beeinträchtigt sind. Bei he:hängendem Arm noch oft Taubheitsgefühl darin und Forma»