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Band Vit.
III. Abschnitt: Drncklähmung.
Btopfung der beiden Venae iliacae externae oberhalb desAbgangs der Vena epigástrica inferior und unterhalb derEinmündungsstelle der Vena hypogastrica bedingt ist. DieseAnnahme würde den objektiven Befund vollkommen er-klären. Auf Schwierigkeiten stiesse die Diagnose erst,wenn die geklagten Urinbeschwerden der Wahrheit ent-sprechen würden. Man müsste dann zunächst an Blasen-bämorrhoiden denken, welche zu den Blutungen und denkonsensuellen Schmerzen in der Harnröhre die Veranlassungbildeten. Bei der gewöhnlichen Anordnung der Blutadernim Becken ergiessen sich abei die Venae vesicales in dieV. hypogastrica, deren sonstiges Gebiet jedoch frei vonder Erkrankung ist. Es bliebe daher nichts übrig, als einegerade nicht ungewöhnliche Anomalie in der Vertheilungder Beckenvenen auf die verschiedenen Gefässgebietevorauszusetzen. Die Entstehung der Thrombose der beidenVenae iliacae externae mit der Verwundung in direkte Ver-bindung durch ein in der Beckenhöhle zurückgebliebenesGeschoss zu bringen, wird durch die Krankengeschichtenicht gerade ausgeschlossen, aber doch sehr unwahrschein-lich gemacht. Am nächsten liegt hiernach wohl die An-nahme einer sogenannten „marantischen Thrombose".
In den späteren Wundstadien und nach der Wund-heilung sind es vor allem die Lähmungen durch Krücken-druck, welche zu Verwechselungen mit reflektorischenParalysen Veranlassung gegeben haben. So leicht dieserdiagnostische Irrthum durch ein genaues Krankenexamenzu vermeiden ist, so oft wird er gleichwohl begangen.
TIT. Ein Wehrmann war auf einem Patrouillengange 1870von Franktireurs überfallen, an Händen und Beinen mit Strickengeknebelt und an den Beinen aufgehängt worden. Er verlordas Bewusstsein, wurde aber bald von seinen Kameraden auf-gefunden, abgeschnitten und in das Quartier gebracht. Nacheinigen Tagen konnte er wieder Dienst thun. Dann bekam eraber eine schmerzhafte entzündliche Schwellung um die Knöchel.Die Schmerzen erstreckten sich längs des n. saphenus majorbeiderseits bis zur Leistenbeuge. Nach längerem Krankenlagergenas er, das Gehen war aber sehr behindert und nur mühsammit Krücken möglich, auch blieb noch für eine geraume Zeiteine vollkommene Sensibilitätslähmung der Haut an der Innen-fläche beider Unterschenkel stationär. Im Lazareth zu Branden-burg a. H. entwickelte sich während des Monats Juni 1871 einetotale Lähmung der Extensoren einer Hand und deren Finger.
Man neigte später der Ansicht zu, dass es sich hierum eine Reflexlähmung handle, ohne zu bedenken, dass dochwohl im Gebrauche der Krücken mit grösserer Wahr-scheinlichkeit der Urquell der Lähmung zu suchen sei.Derselben irrthümlichen Auffassung begegnet man auch in
tn ärztlichen Erhebungen, welche unter einem Theil derchfolgenden Lähmungen durch Krückendruck gelegentlichder Superrevisionen in späteren Jahren aufgenommenwurden. Es verdient indess bemerkt zu werden, dass diesefehlerhafte Wahrscheinlichkeitsdiagnose immer nur einetemporäre war, durch das vorhandene Aktenmaterial leichtberichtigt wurde und bei der Prüfung der Versorgungs-ansprüche der Invaliden nicht ins Gewicht fiel.
; Sanitâts-lieiïclit Über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
An die Krückenlähmung bei Verwundeten ist in derKasuistik ein Fall von Parese im Gebiete des n. radialisund n. medianus angeschlossen worden, welcher bei Para-plégie nach Meningitis spinalis durch Krückengebrauchzu Stande kam. Die Beobachtung, die einzige bekanntgewordene dieser Art aus dem Feldzuge, stammt vonv. Krafft-Ebing. Demselben Autor sind auch die FälleVI bis IX zu verdanken, v. Krafft-Ebing hat dieselbeneinschliesslich einer den Französischen Soldaten Bontempsbetreffenden hier nicht wiedergegebenen Drucklähmung desn. radialis, medianus, ulnaris, musculocutaneus, cutan,brachii int. major et minor, im IX. Bande des DeutschenArchivs für klinische Medizin hauptsächlich wohl darumgenauer mitgetheilt, um auf die differentialdiagnostischenMerkmale ihres bald leichteren, bald schwereren Charaktersdie Aufmerksamkeit zu lenken. Nach seinen Angaben sinddie leichten Formen der Drucklähmungen „durch fehlendeoder nur geringfügige Aenderungen der elektrischen Erreg-barkeit und Ausbleiben von trophischen Störungen imMuskelgebiete der Lähmung klinisch und prognostisch ge-kennzeichnet". Prophylaktisch empfiehlt er „möglichst gutgepolsterte Krücken, bei denen die Achselstütze nicht ein-fach mit Tuch gepolstert, sondern mit einem mittelsKautschuk überzogenen Rosshaarkeilkissen bedeckt ist.Gut ist es auch, jede Krücke mit einer Handstütze zuversehen, die den Druck auf die Achsel vermindert undeine zeitweilige Benutzung der Krücke als Krückstock ge-stattet. Therapeutisch sind alternirende Behandlungsweisenmit Induktions- und galvanischen Strömen angezeigt, wobeidie kräftiger erregende Polwirkung der Ka. vorzugsweiseals stabiler und labiler Muskel- und Nervenstrom zu ver-werthen ist. Für leichtere Fälle dürfte der induzirte Stromallein zur Herstellung genügen."
Der 10. Fall stammt aus den Privataufzeichnungen desProfessor Berger.
IV. Johann Friedrich Christian Kamps, Jäger der4. Kompagnie Mecklenburgischen Jäger-Bataillons No. 14, er-hielt am 2. Dezember 1870 bei ßazoches les Hautes einen Schussdurch den linken Fuss und kam mit der Verwundung nacheinem kurzen Aufenthalte in einem Feldlazareth am 23. Dezemberin der Baracke III zu Berlin an, überstand ein Erysipelas vonder Wunde aus und ging seit dem 15. März 1871 an Stockbezw. Krücken. Bereits am 24. April 1871 wird in demJournalblatt einer Krückenlähmung des linken Armes Erwähnunggethan. Die Finger und das Handgelenk sind schlaff undbläulich, die Finger nur wenig zu biegen, auch die Bewegungdes Vorderarmes sehr erschwert, ebenso die Hebung des Oberarmes.
Vom 18. April bis 31. Mai wird K. mit dem konstantenund faradischen Strom ohne Erfolg elektrisirt.
Am 8. April 1872: Die Lähmung des linken Armes bestehtunverändert und in der Weise fort, dass sie dem Verluste desGliedes gleich zu achten ist.
Am 21. Mai 1875: Schwäche der linken Hand und deslinken Armes ziemlich erheblich.
V. Julius Reiser, Füsilier der 9. Kompagnie des2. Brandenburgischen Grenadier - Regiments No. 12, bekam am
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