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III. Kapitel: Traumatische Reflexiieurosen, sekundäre traumatische und Drucklähmung.
Band
XIII. Schuss ins Ellenbogengelenk. Resektion. Ankylose.
7 Jahre nachher Neuritis ascendens, vom Ellenbogengelenk
ausgehend. Hemiparesis. Heilung.
RobertDegeler,Sergeantim2.0stpreussischenGrenadier-Regiment No. 3, erhielt am 14. August 1870 bei Colombey einenGewehrschuss an der inneren Seite des linken Vorderarms,welcher das Ellenbogengelenk durchdrang und am olecranonendete. Er wurde mit einem auf dem Schlachtfelde angelegtenNothverbande direkt ins Garnisonlazareth Saarlouis gebracht.Hier machten wiederholte stärkere Blutungen 4 Tage späterdie Unterbindung der arteria brachialis nothwendig. DieserOperation folgte am 21. September die durch Wagen er aus-geführte Resektion des Gelenks. Resultat: Steifheit des Ellen-bogens, Paralyse der Hand und Finger, Schwund der Muskulaturdes Vorderarms und der Hand. Eine kurze elektrische Kur imJuni und Juli 1872 besserte die Lähmungserscheinungen nicht.Im Jahre 1877 traten vom linken Ellenbogengelenk ausgehendund nach der Brust und dem Kopfe ausstrahlend sehr heftigereissende Schmerzen auf, welche mit einer Parese der ganzenlinken Körperhälfte, mit allgemeiner Mattigkeit, mit Schweissen,Herzklopfen und Schlaflosigkeit einhergingen und psychischeDepression im Gefolge hatten. Gegen diese allgemeinen nervösenStörungen gebrauchte D. von 1878 ab fünf Jahre hintereinandermit gutem Erfolge Badekuren in Landeck, so dass die Allgemein-störungen aufgehört haben, der Ernährungszustand wieder einguter, die Stimmung eine ruhige, zufriedene, die halbseitigeSchwäche gehoben ist.
XIV. Schuss durch den linken Oberschenkel. 7 Jahre
später Neuritis ascendens. Parese der Arme. Schwindel.
Sprachstörung. Gedächtnissschwächc. Heilung.
Eduard Fürstenau, Ersatz-Bataillon 3. OstpreussischenGrenadier-Regiments No. 4, erhielt am 14. August 1870 beiColombey einen Schuss durch den linken Oberschenkel. Die Kugelwar an der Innenfläche durch den m. sartorius auf der Grenzezwischen dem unteren und mittleren Dritttheil ein- und nachStreifung des Knochens in der Mitte der Hinterfläche des Ober-schenkels ausgedrungen. An der Eintrittsstelle blieb eine 2 cmbreite, rundliche, stark eingezogene Narbe zurück, während diean der Austrittsstelle 2 cm lang, 1 cm breit und leicht ver-schiebbar war. Durch die Spannung der ersteren Narbe warzunächst das Gehen erschwert und geschah mit Hilfe einesStockes. Dabei klagte F. bei Bewegungen des verletzten Gliedesüber Schmerzen. Immerhin waren seine Beschwerden indessbis zum Jahre 1877 erträglich. Dann aber klagte er übergrosse, allgemeine Hinfälligkeit, über lebhafte Schmerzen imlinken Bein, in der ganzen Wirbelsäule und im Kopfe, über eintaubes Gefühl, ein Einschlafen beider Hände und Füsse, über Ge-dächtnissschwäche, erschwertes Sprechen, Schwindel und Appetit-mangel. Dementsprechend erschien er im höchsten Grade ab-gemagert und so erschlafft, dass er nicht im Stande war, sichohne starke Stütze aufrecht zu erhalten. Er schwankte beigeschlossenen Augen, die Sprache war lallend, unverständlich.Die Wirbelsäule zeigte sich namentlich in der Lendengegendbei Berührung äusserst empfindlich, ebenso der linke Ober-schenkel. Bei freien Bewegungen der Arme war der Hände-druck schwach. In der Eintrittsnarbe verliefen in der Längs-achse des Gliedes zwei Stränge, ein pulsirender, die Schenkel-schlagader, und ein anderer fester Strang ungefähr von derselbenDicke, welcher letzterer so empfindlich war, dass der Krankebei stärkeren Berührungen in lautes Klagen ausbrach. Hinterdiesen beiden Strängen fühlte man den von den Weichtheilen
im Bereich der Narbe entblössten Knochen. Der schrnerzhaf:Strang Hess sich nicht über die Narbe hinaus verfolgen, woaber war der Oberschenkel oberhalb und unterhalb dessellesehr empfindlich. Sensibilität im verwundeten Gliede gut cihalten, keine Differenz im Umfange beider Beine. Lähmung,erscheinungen an den Augen fehlten.
1878 konnte eine wesentliche Besserung nachgewiesewerden. Bei ziemlich gutem allgemeinen Ernährungszustandzeigte sich die Wirbelsäule weniger empfindlich, die Einschusnarbe noch schmerzhaft, die Sprache deutlich. F. klagte notüber Schwäche und Gliederreissen. Er wurde dann v,16. August bis 6. September 1879 im Garnisonlazareth;Thorn behandelt. Bei der Entlassung bestanden nur Klagüber Schmerzgefühl in der linken Unterextremität. Lähmung!erscheinungen waren nicht vorhanden.
XV. Neuritis ascendens, 8 Jahre nach einer Sehussv«letzung des rechten Vorderarms. Lähmung und Atrophdes rechten Armes. Paraparesis. Besserung.
Hubert Schmitz, Musketier der 5. Kompagnie 1. Rkinischen Infanterie-Regiments No. 25, erhielt am 9. Januar Kim Gefechte bei Villersexel eine Kugel, welche an der Radisseite in der Mitte des rechten Vorderarms die über dem Knockliegenden Weichtheile durchsetzte, ohne diesen zu verletzDie Narben hinderten die Funktionen des Vorderarms und iHand so wenig, dass Seh. 1872 in seiner Erwerbsfähigkeit ni;gestört war.
Mitte des Jahres 1879 fing der Invalide an, über fast itunterbrochen reissende Schmerzen im verwundeten Arm ;klagen, welche von der Schussnarbe ausstrahlten und sich moben in die rechte Schulter und nach unten bis in die Fingtspitzen verbreiteten. Der Arm war deswegen gebrauchsunfäkzumal die Arbeit die Schmerzen steigerte. Am intensiv*!war die Ueberempfindlichkeit im rechten Ring- und MittelungDer Arm wurde atrophisch. Zugleich bestanden Schmerzender Wirbelsäule, Gürtelgefühl in der Oberbauchgegend, Ameisekriechen, Prickeln und Stechen in den Füssen und In:schenkein, Schwäche in den Beinen, welche das Gehen ischwerten. Parästhesien und eine Einbusse der motoriséKraft zeigten sich endlich auch am linken Arme.
Seh. gebrauchte die Bäder in Aachen mit einer wesentlichBesserung der Krankheitserscheinungen.
XVI. Stichverletzung des n. ischiadicus mit gering*nachtheiligen Folgen. Erst 8 Jahre später heftige IsehiiParese des linken Armes.
Ein Säbelstich in das linke Gesäss verletzte am 16. Äugt1870 bei Mars la Tour den Gefreiten Magdeburgischen KürassitRegiments No. 7 Carl Uchtenhagen. Seit Vernarbung àStichwunde klagte er über reissende Schmerzen von der Naiibis zur Kniekehle nach körperlichen Anstrengungen und k*Witterungswechsel, über ein eigenthümliches Kribbeln an iInnenseite des linken Oberschenkels, häufiges Einschlafentlinken Beines und leicht eintretende Ermüdung. Seit Anfï1879 erhebliche Steigerung seiner Beschwerden.
Status vom 13. August 1879: Ziemlich in der Mitte.linken Hinterbacke, etwas oberhalb des Sitzbeinknorrens, ei2 '/2 cm lange, 1 cm breite etwas schräg von oben und ans»nach innen und unten gehende, strahlige, massig vertieftenin der Mitte mit den tieferliegenden Weichtheilen verwachseNarbe, die genau dem Verlauf des Hüftnerven nach seilt