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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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ill. Kapitel: l'raumatische Reflexneurosen, sekundäre traumatische und Drucklähmung.

Band Vu

I

Schmerzen im gesunden Arm, hierauf den folgenden Tag totaleAnästhesie, vollständige Lähmung der motorischen Nerven desrechten Brustgliedes. Fieber hochgradig, durchschnittlich40,141, Puls 124, fünf Tage später (den 21. nach der Ver-wundung) stirbt Patient in Folge von Osteomyelitis. Sektionleider nicht ausgeführt.

II. Neuritis ascendens einige Tage nach einer Verwundung

des rechten Fersenheins. Sekundäre Lähmung des linken

Armes. Heilung.

In dem Gefechte bei Meung durchbohrte eine Gewehrkugeldas rechte Fersenbein des Musketiers der 2. Kompagnie 2. Han-seatischen Infanterie-Regiments No. 76, Wilhelm Plambeck.Die definitive Heilung dieser Wunde verzögerte sich bis zum10. Mai 1871 und erfolgte im Reservelazarethe Weissenfeis.Während des Transportes aus dem Felde in die Heimath, welchersogleich nach der Verwundung bewerkstelligt wurde, stellte sichunter heftigen Schmerzen und Zuckungen im verwundetenBeine eine Lähmung des linken Armes ein, so hochgradig, dassPatient mit der Extremität gar nichts anfangen konnte. Diesertotalen Paralyse geschieht auch am 5. Juni 1871 in einemInvaliditätsatteste, welches den Verwundeten derentwegen fürtemporär verstümmelt erklärte, Erwähnung. Das rechte Fuss-gelenk war um dieselbe Zeit steif und der Fuss so schwach,dass Patient nur mit Krücken gehen konnte. Die Armlähmungverschwand, wie ärztlicherseits vorausgesehen, nach und nachganz, im November 1872 war keine Spur mehr von ihr zu ent-decken.

III. Fleischschuss des linken Oberschenkels. 4 Wochen

später Lähmung und Atrophie des rechten Armes.

Besserung.

Georg Münscher, Musketier der 4. Kompagnie 1. Nassaui-schen Infanterie - Regiments No. 87, trat am 6. August1870 aus der Schlacht bei Wörth mit einem Weichtheilschussdurch die Muskulatur des linken Oberschenkels 3 Zoll oberhalbdes Kniegelenks in Behandlung. Die Heilung Hess nicht langeauf sich warten, da die Verletzung nur eine leichte war, undwar am 15. September 1870 beendet. Eine zurückgebliebeneSchwäche beeinträchtigte das Gehvermögen. Ausserdem machtesich aber eine Lähmung und Atrophie des rechten Armes be-merklich, welche der untersuchende Arzt in Ermangelung einerbesseren Erklärung für eine rheumatische ausgab. Diese Lähmungwurde in etwas vermindertem Maasse im September 1871 undim Juli 1872 konstatirt.

1878 waren nur einzelne Muskeln des Schultergürtels,besonders der supraspinatus und deltoideus atrophisch unddadurch die Gebrauchsfähigkeit des Armes herabgesetzt.

IV. Schussfraktur des rechten Oberschenkels. Neuritisascendens. Lähmung des rechten Armes.

Christian Körber, Musketier im 3. Hannoverschen In-fanterie-Regiment No. 79, trat wegen einer am 16. August 1870bei Mars la Tour empfangenen Schussverletzung des rechtenKniegelenks an demselben Tage in militärärztliche Behandlung.Eingangsöffnung der Kugel dicht neben der äusseren oberenEcke der Patella. Ausgangsöffnung in der Kniekehle. Loch-fraktur des Oberschenkels. Kein Synovia-Ausfluss. Bonnet'scheDrahthose, Eisblase.

5. September 1870: Kniegelenksentzündung wird mehruu tmehr rückgängig.

20. September 1870 : Gypsverband. Kontraktur der Flexor«des vierten und fünften rechten Fingers, welche nichtzu überwinden ist.

21. Oktober 1870: Gypsverband entfernt. R. Fuss in P e tvarus-Stellung; nerv, peron. verletzt.

29. Oktober 1870: Neuer Gypsverband.25. November 1870: Die Wunden haben sich geschlosset3. Dezember 1870: Beim Versuche aufzustehen, stelltsich epileptoide, klonische Reflexkrämpfe von einstündiger Dan,ein. Starke Schmerzen im Verlauf des Ischiadikus.

21. Dezember 1870: Durch Druck in die Kniekehle wirein Anfall provozirt. Derselbe dauert eine halbe Stunde. Aifangs wird nur die rechte Seite des Körpers von Krämpfeerfasst, später die linke, am meisten die Extensoren der recht-Körperhälfte.

T. des in Schweiss gebadeten Körpers steigt um I 1 /:' 0Bromkalium.

22. Dezember 1870: Lähmung der Extensoren des Unterschenkeis und Fusses. Sensibilität der Planta vollständierloschen.

Diagnose: Zerrung der Ischiadikusäste durch Narlxgewebe.

Exzision des Narbengewebes.

Später der Anfang ist nicht zu ermitteln gesellsich zu der bestehenden Lähmung des Beines eine ebensolcldes rechten Vorderarms und der Hand. Durch die letztere mim September 1871 die aktive Bewegungsfähigkeit der IIa:in dem Grade gestört, dass die Störung dem Verluste des Amgleich zu achten war. Eine vierwöchentliche Badekur iNorderney blieb auf die Lähmung der rechten Körperhältohne allen Einfluss. Bei der Superrevision 1872 bestandsKontrakturen im Hand- und Fussgelenke und den Finger- imZehengelenken. Bei der Untersuchung traten heftige kloniseKrämpfe der rechtsseitigen Extremitäten auf.

Auch dieser Fall ist in seinem ersten Theile nBurnke in dem angegebenen Bande des Virchow'scliArchivs beschrieben worden. Der Autor, welcher ihn ieinen von der Verletzung des nervus peroneus ausgehend!Renexkrainpf auffasste, hat ihn nicht bis zu Ende verfolgkönnen.

V. Fraktur des rechten Unterschenkels. Zwei Monidarauf noch während des Krankenlagers heftige Schmer»am linken Ellenbogen, Lähmung und Atrophie des linktArmes. Bleibende geringe motorische Schwäche. Neurittraumatica n. ulnaris durch Druck?

Der Pionier vom Garde-Pionier-Bataillon Hermann JuliDörfert erhielt am 18. Oktober 1870 bei Ausübung des Eisebahnbaudienstes durch Kettenschlag eine komplizirte Frakfcdes rechten Unterschenkels, wurde zuerst im Lazarethe tRheims, dann in Harburg, zuletzt in Berlin behandelt.

Am 6. August 1871 zeigte sich der Unterschenkel mit dtKonvexität nach aussen verkrümmt, 1 Zoll verkürzt, die Tibaufgetrieben und verdickt. Breite, vertiefte, adhärente Nailrührten von der Zerreissung der Weichtheile her. Die Flektionirechten Kniegelenke nicht ganz bis zum rechten Winlmöglich.

Umfang der Wade rechts . . . ll 3 /4", links 15", des Oberschenkels rechts 15", 17 /a,

des Fussgelenks rechts . 9", 10".

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