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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Vil Band Vil.

II. Abschnitt: Sekundäre traumatische Lähmung.

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Zweiter Abschnitt.Sekundäre traumatische Lähmung.

Wohl zu unterscheiden von den Reflexlähmungen sind eine sekundäre Entzündung, fern von der primären, in

diejenigen Lähmungen, welche nach längerem Bestände den peripheren Nervenstämmen eines andern Körper-

und in den späteren Stadien der peripheren Nervenver- theiles sich etablirt. Die Möglichkeit, dass die Entzündung

letzungen nicht plötzlich sondern allmälig entstehen, auch I von dem Nervenstamme einer Seite auf den der andern

nach der Heilung der ursprünglichen Wunde und der am J Seite, ja sogar auf ganz entfernte Nervenbahnen überzu-

getroftenen Gliede bewirkten Neuropathien eine Zeit lang j greifen vermag, scheint in der That durch die Experimente

selbstständig fortdauern und entweder unverändert bleiben Klemm's bewiesen.

oder in langsame Genesung überführen. Man bezeichnetsie mit dem Namensekundäre traumatische Läh-mungen". Dieselben sind seit der Beschreibung M. Be-nedict's bekannt. Die Erfahrungen des letzten Jahr-zehntes deuten darauf hin, dass sie mit einer durch dasursprüngliche Trauma bewirkten Nervenentzündung in Zu-sammenhang stehen können. Die Neuritis traumatica theiltmit der durch Gelenkentzündungen veranlassten Nerven-entzündung die Neigung zu wandern und sekundäre Er-krankungen zu veranlassen. Aus den Versuchen vonTiesler, Feinberg und Klemm geht hervor, dass die

In diesem Falle spricht man von einer Neuritissympathica.

Erb, welcher den Klemm'sehen Versuchen die ihnenvindizirte Bedeutung nicht beilegt, hält an der Thatsachefest, dass auch ganz unabhängig von einer aszendirendenEntzündung auf wirklich reflektorischem Wege von einemperipheren Reizungs- oder Entzündungsherde am NervenCirkulations - und entzündliche Ernährungsstörungen ancentralen Abschnitten des Nervensystems zu Stande kommenkönnen. Er trennt demnach die reflektirten Funktions-störungen der motorischen Apparate im Sinne der Le-

Vor der Hand können wir uns, sagt er, keine andereDeutung von manchen Fällen centraler Neurosen im An-schlüsse an eine periphere Neuritis machen, als dass dieabnormen Erregungszustände im neuritisch erkrankten

Entzündung aszendirend auf das Rückenmark und seine j wisson'schen Experimente von den entzündlichen Vei-llante, ja in die Schädelhöhle hinein weiter kriechen kann. ! änderungen der centralen Nervenapparate, welche entwederSie thut dies nicht immer, indem sie in der Nervenbahn ¡ durch Neuritis ascendens oder durch Reflexübertragungsich kontinuirlich fortpflanzt, sondern häufig durch sprung- ; herbeigeführt werden. Auch Nothnagel hält in Rück-weise Weiterverbreitung, gesunde Nervenstrecken von sieht auf die thatsächlichen Erfahrungen am Krankenbettekranken trennend. Das ist die als Neuritis disseminata ! das Fortkriechen des anatomischen Prozesses nicht für denbezeichnete Form, welche auch in der Pathologie des Wund- einzigen Entstehungsmodus der Sekundärerkrankungen,tetanus eine Rolle spielt. ')

Aber auch ohne Veränderung des centralen Endes desursprünglich gereizten Nerven sahen die Experimentatorencircumscripte Erweichungsherde im Rückenmarke entstehen

und schlössen daraus, dass von einer entzündlichen Stelle | Nerven bei dazu disponirten Individuen die Sekundär-am Nerven selbst auf weite Entfernung hin eine centrale ! erkrankungen ohne gröbere anatomische Läsionen in-Erkrankung angeregt werden kann. In solchen Fällen hat ¡ duziren."

man sich zu der Annahme verstanden, dass der anatomische Den gegenseitigen Beziehungen der Neuritis zu den

Prozess fortkriecht und nicht eher als an einem durch sekundären traumatischen Lähmungen ist nur durch eineanderweitige Umstände prädisponirten Orte in den centralen exakte klinische Beobachtung und eine sorgfältige ana-Xe, venbahnen Halt macht. Diese hypothetische Erklärungs- tomisch-pathologische Untersuchung nachzuforschen,weise ist selbst für diejenigen Fälle substituirt, in welchen Von Beck's Beobachtungen gehört eine hierher:

ohne Betheiligung des Rückenmarks und seiner Hüllen

1. R., 61. Infanterie - Regiment. Fleischschuss am linkenArm mit Kontusion des Knochens. Ablösung der Beinhaut.Anfänglich gute Eiterung, dann Fieberfröste, ikterische Färbung,Durchfälle, Pyämie. Zu gleicher Zeit heftige neuralgische

') Vergl. III. Bd. dieses Berichtes, zweites Kapitel, erstenAbschnitt.