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Band VIL
I. Abschnitt: Traumatische Reflexneurosen.
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II. Neuralgie, Atrophie und Kontraktur.
Unter traumatischer Reflexneuralgie verstehtman eine Neuralgie, welche nach der mechanischen Läsioneines peripheren Nerven in anderen, von dem Verletzungs-orte entfernten Nervengebieten entsteht. Die Reflex-neuralgien lassen sich kaum anders erklären, als durchdie Annahme, dass die centripetalen Reize vermuthlich im(Vniralorgane auf andere sensible Nervenbahnen übertragenwerden und hier Neuralgien erzeugen, analog den Mit-emplindungen, nur mit dem Unterschiede, dass das ursprüng-lich affizirte Nervengebiet vollkommen von der Neuralgieverschont ist. An eine vom Orte der Verwundung fort-geleitete und in den Centralapparaten weiterkriechendeNeuritis wird man nicht denken, wenn die Neuralgiedem Trauma alsbald folgt, wie z. B. in dem von Beckerzählten und hier wiedergegebenen Falle. Erb weistdarauf hin, dass eine hochgradig entwickelte Prä dispositiondas Auftreten solcher Erkrankungen sehr begünstigen dürfte.Aus der Literatur erwähnt Erb nur zwei Fälle von Anstie,in denen eine Trigeminusneuralgie einmal im Gefolge einerLäsion des n. ulnaris, das andere Mal im Anschluss aneine Verletzung des n. occipitalis entstanden war. Inseiner Chirurgie der Schussverletzungen führt Beck nocheine zweite Beobachtung an, welche der Genannte denReflexneuralgien zurechnet. Die Beschreibung diesesKrankheitsfalles (No. XI) lässt aber die Vermuthung auf-kommen, dass es sich vielleicht um eine, blosse Irra-diation des Schmerzes gehandelt habe, wie solche für diebeiden nächsten Fälle thatsächlich angenommen werdenmuss. Reflexneuralgien im Sinne obiger Definition sindwahrscheinlich äusserst selten; in den aus dem Deutsch-Französischen Kriege stammenden Berichten der Feld- undReservelazarethe wurde keine derartige Beobachtung gefunden.
X. L., 1. Leib-Grenadier-Regiment No. 109. Ganz ober-flächlicher Streifschuss in der linken Weichengegend; Hautwie versengt, in den nächsten Tagen die heftigsten Schmerzenim Verlaufe des nervus ischiadicus. Trotz subkutaner Morphium-Injektionen dauert die Neuralgie 19 Tage an und lässt erstnach, als die Abstossung des Brandschorfs vollendet war. Es
' bessert sich der Zustand alsdann, das Gehen war aber an-fänglich noch sehr behindert. Wahrscheinlich Streifung desnervus cutaneus femoris anterior externus, Uebertragung desReizes auf den Stamm des Ischiadicus. Patient hatte frühernicht an Ischias oder Rheumatismus gelitten. Jetzt Gebrauchs-fähigkeit des Beines nicht wesentlich gestört.
XI. N., 3. Badisches Infanterie-Regiment No. 111. Schussdurch die Achsel mit Streifung des plexus brachialis, an-fänglich Lähmung und Schmerzen im getroffenen Gliede, später
Neuralgie auf der gesunden Seite. Patient klagt über starkesBrennen und Reissen. Durch warme Bäder und Morphiumbesserte sich nach und nach der Zustand. Neuere Nachrichtenfehlen.
XII. Johann Jacob Jordan, Gardist der o. Kompagnie1. Grossherzoglich Hessischen Infanterie-Regiments, wurde am8. Dezember 1870 bei Orléans von 2 Gewehrkugeln getroffen,von welchen die eine am rechten Oberann einen unbedeutendenfolgeleeren Haarseilschusskanal bildete, die andere durch dielinke Mittelhand ging, einige Knochen zertrümmerte und zweiverwachsene eingezogene Narben hinterliess. Durch Sehnen-zerreissung und Narbenretraktion waren die Finger steif undverkrümmt.
Anlässlich eines Gesuches um erhöhte Pension und Bade-unterstützung ergab eine am 2. Mai 1882 durch OberstabsarztFertsch vorgenommene Untersuchung dem Wortlaute nachFolgendes: „Der Mann ist im Laufe der Jahre unter ständigenSchmerzen in beiden Armen derartig siech geworden, dass erdas Aussehen eines Lungenphthisikers im letzten Stadium hat,obgleich die Exploration die Lungen intakt findet. Der Urinenthält Eiweiss, um beide Malleolen Oedem. Beständige Schlaf-losigkeit. Die linke Oberextremität ist „von oben bis untenganz atrophisch, verkrüppelt".
Der Befund ist nicht ausführlich genug, um einbestimmtes Urtheil über die veranlassende Ursachedes Schmerzes im rechten Arme zu gewinnen. Esscheint eine supponirte Neuralgie zweifelhaft. DieKonstanz des Schmerzes, die unter Sehmerz ent-standene Atrophie des linken Armes machen eswahrscheinlich, dass es sich um eine von der ver-wundeten linken Hand ausgehende und durch dieCentraltheile fortkriechende Neuritis gehandelt hat.
XIII. Ferdinand Bürst lein, Gardist im 1.GrossherzoglichHessischen Infanterie-Regiment.
Rezonville, 18. August 1870: Schussfraktur des linkenOberschenkels oberhalb der Mitte. Heilung mit 5 cm Ver-kürzung und Lähmung des m. quadriceps, so dass der Mannnur mit Hilfe einer Stützbandage des Knies und mit sehrhohem Absätze gehen konnte.
Laut Zeugnisses des praktischen Arztes Dr. Frank be-standen im Juli 1876 eine Fistel, bis auf den Oberschenkel-knochen führend, und neuralgische Schmerzen im Beine. DieseNeuralgie nahm im Laufe der Jahre an Intensität zu und trat1882 konsensuell auch in anderen Körpertheilen, so im Gebietedes Trigeminus und in der linken Oberextremität in solcherHeftigkeit auf, dass nur durch immer wiederholte Morphium-injektionen Linderung geschafft werden konnte.
Als Reflexatrophie bezeichnet Klebs folgenden Fall:
XIV. Hahn, verwundet am tí. August, sezirt durch Klebsam 8. Oktober 1870.
Anatomische Diagnose : Geheilter perforirender Schuss desrechten Kniegelenks, Thrombosis V. fem. und iliacae sin., Schuss