Hämoptoe bei der Aufnahme gering. Hämoptysis in denersten Tagen. Später schleimig-eitrige Sputa.
R. Pleuritis bis zur Höhe der 5. Rippe.
Dyspnoe massig. Wunden sezerniren vielen guten Eiter.Die Oeffming in den Pleuren geschlossen. Dr. M.
19. August: Pat. befindet sich den Umständen nach gut.Vordere Oefi'nung ergiesst verhältnissmässig guten aber vielEiter — mit Luft.
10. September: Vordere Oeffnung beginnt sich zu schliessen,daher die Seiten stark exkavirt. Einpinselung mit Tinc-tura Jodi.
20. September: Pat. befindet sich wohl. Exkavationschwindet. Ebenso Dämpfung.
30. September: Dasselbe.
5. Oktober: Kann evakuirt werden. Dr. W.
Den 9. Oktober wird Pat. in das Reservelazareth No. 3zu Hannover aufgenommen. Das dort geführte Journal lautetmit Weglassung des Unwichtigen, folgendermaassen :
11. Oktober : Pat. befindet sich im Zustande der Erschöpfung.Körper abgemagert. Kein Eieber, Appetit normal. Einen Zoll überder rechten Brustwarze eine eingezogene Narbe. Ausgangsöffnung.Zwei Zoll nach aussen vom angulus scapulae zwischen 8. und9. Rippe linsengrosse guten Eiter sezernirende Wundöffnung.Eingangsöffnung. R. Dämpfung von der Mitte der Skapula an,vorne von der 5. Rippe beginnend. Abgeschwächtes Athmen,Schmerz in der rechten Seite.
Rechte Skapula steht flügeiförmig ab. Die Konturen derMuskeln des Schulterblattes treten rechts weniger deutlichhervor als links. Das Kraftgefühl ist im rechten Arm bedeutendherabgesetzt; eine Abnahme in der Circumferenz des rechtenOber- und Unterarmes im Verhältniss zum linken Arm nichtnachweisbar.
Die rechte Hand auf der Volar- und Dorsalseite wenigerfleischig als die linke. Die Sehnen treten deutlicher hervor.Muse, adductor pollicis sowie die Muskeln des Daumen- undKleinfingerballens hochgradig atrophisch. Vierter und fünfterFinger im Zustande der Kontraktur. Dieselbe kann passiv auf-gehoben werden, aktiv nur zum kleineren Theile. Dieatrophischen Muskeln des Daumens funktioniren ; ohne Funktiondie des kleinen Fingers.
Die Sensibilität ist im Verlauf des 5. Fingers herabgesetzt,nirgends aufgehoben. Der Induktionsstrom bringt sämmtlicheMuskeln mit Ausnahme der Muskeln des Kleinfingerballens undder Extensoren des 4. und 5. Fingers zur Kontraktion.
In Bezug auf das Datum der Entstehung dieses Leidensgiebt Pat. auf das Bestimmteste an, dass er die Kontraktursogleich (und nicht früher oder später), als er von der Be-täubung, welche der Verwundung gefolgt ist, sich erholt, be-merkt habe.
„Ich breche hier", fahrt Bumke fort, „die Krankheits-geschichte ab und referiré nur noch, dass unter Ausstossungkleinerer Sequester die noch offenen Wunden der Ver-narbung entgegengehen, dass die Konstitution sich be-deutend gehoben, dass dagegen Parese und Atrophienoch in vollem Umfange trotz anhaltender elek-trischer Behandlung besteht."
„Die erste Frage, die sich bei Erörterung des vorge-tragenen Falles aufdrängt, ist die: „„Steht die Lähmungund die Verwundung in unmittelbarem Kausalnexus? 1stdie Lähmung vielleicht schon früher vorhanden gewesen?Oder ist dieselbe etwa eine zwar später aufgetretene, jedoch
von der Verwundung unabhängige Komplikation?" " D¡ eAngaben des Patienten in Bezug auf das Datum der Ent-stehung sind so bestimmt, dass an der Koinzidenz nichtzu zweifeln ist. Freilich ist in dem Journal des Feld-lazareths nichts in Bezug auf die Lähmung verzeichnet;doch wird man wohl nicht fehl gehen in der Annahme,dass gegenüber den Gefahren der penetrirenden Brustwnndedie Lähmung zunächst nicht in Betracht kam. Für daKausalnexus spricht ferner, dass Verwundung und Lähmun»derselben Körperhälfte angehören. Welcher Art aber k\dieser Kausalnexus?"
„Eine Erörterung der Möglichkeit, dass die Kugel denPlexus brachialis direkt verletzt habe, darf mit Rücksicht au!die Lage der Ausgangs- und Eingangsöffnung unterbleibenDass die durch das Geschoss hervorgerufene Erschütterung de>Thorax eine solche des Plexus bedingt habe, hat ebenfall-wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Vielleicht könnte man je-doch eine Verletzung des Plexus brachialis in der Weise sta-tuireii, dass man dieselbe ableitete von einem Falle, der derVerwundung unmittelbar gefolgt sei. Abgesehen jedoch vonder Seltenheit solcher Verletzung, spricht dagegen die In-stimmte Angabe des Patienten, welcher behauptet, au!weichen Lehmboden gefallen zu sein und von einer Blutunterlaufung am Halse oder Arm nichts konstatirt hatMit Rücksicht auf die angegebenen Thatsachen bleibt woli'nichts Anderes übrig, als den besprochenen Fall der Krank-heitsgruppe der Reflexlähmungen unterzuordnen. Dass mitdem Namen „Reflexlähmung" nicht das Geringste beige-tragen wird zur Kenntniss der Entstehung dieser Lähmungeiversteht sich von selbst."
Die weiteren Schicksale des Nagel sind leider nichtzu ermitteln gewesen.
Die Frage Bumke's: „Ist die Lähmung vielleichtschon früher vorhanden gewesen?", erledigt sich oh»Weiteres dadurch mit Nein, dass Nagel kämpf- und vertheidigungsunfähig nicht wohl in ein Gefecht hineingehenkonnte. Anders liegt es mit dem angeregten Zweifel, oldie Lähmung nicht erst im späteren Wundstadium aufgetreten war. Dieser Vermuthung steht allerdings die Angaliedes Kranken gegenüber, aber man kann derselben kamein grösseres Gewicht beilegen als den negativen Au-lassungen des Journalblattes, zumal die Gebrauchsunfähigkeiider rechten Hand ein störendes, leicht kenntliches uniunter den obwaltenden Verhältnissen im Journalblatte kannunberücksichtigt gebliebenes Symptom abgab. Die Hier-hergehörigkeit der Bumke'sehen Mittheilung bleibt daherimmerhin nicht ohne Bedenken. Wird indessen die Richtig-keit der anamnestischen Daten vorausgesetzt, so schliefsich der Fall den fünf ersten Nummern der Kasuistik in-sofern an, als auch hier die Reflexlähmung eine ThoraxVerletzung komplizirte.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Zahl der Extve
• mitäten-Lähmungen bei Brustschüssen im Feldzuge 1870/71
eine noch grössere war. Die Invalidenakten erwähnen
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