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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
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f]l Band Vil.

i. Abschuitt: Traumatische Reflexneuroseii.

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Aus dem Kriege 1870/71 sind 8 in die Kategorie der

Beflexlähniungen gehörige, den Amerikanischen nicht ganz

analoge Beobachtungen aufgefunden. Davon stammen die

I sechs ersten aus den Akten der Kriegsministerien, der

I siebente ist einer Privatmittheilung des Professor Berg er

zu verdanken, der achte und letzte wurde von Bumke in

Virchow's Archiv, Bd. 52, Jahrgang 1871 veröffentlicht.

I. Johann Friedrich Schulze X., Füsilier der 11. Kom-pagnie 3. Brandenburgischen Infanterie-Regiments No. 20, erlittam 16. August 1870 bei Vionville eine Verletzung durch eineKugel, welche zwischen der 9. und 10. Rippe rechterseits ein-drang, mehrere Zoll aufwärts lief und extrahirt wurde.

Unmittelbar nach der Verwundung konnte Seh. den rechtenArm nicht mehr heben und die rechte Hand nicht mehr be-nutzen. Der Wundkanal schloss sich langsam mit Abstossungvon einigen Splittern der 9. Rippe.

24. Januar 1871 : Bewegung des rechten Armes vollkommenaufgehoben, Empfindung nur in geringem Grade vorhanden,Temperatur vermindert, Hand ödematös geschwollen, Umfangin der Mitte des Ober- und Vorderarms gegen den des linkenum 3 cm vermindert.

Die Lähmung besserte sich, so dass am 25. Oktober 1872namentlich die Hand ganz gut gebraucht werden konnte.

II. Wilhelm Seihast, Musketier der 3. Kompagnie1. Hessischen Infanterie - Regiments No. 81, wurde am 1. Sep-tember 1870 bei Noisseville durch einen Haarseilschuss an derlinken Brustseite verletzt. Unmittelbar nach der Verletzungkonnte er den linken Arm nicht bewegen.

Die Verwundung konnte direkt daran nicht Schuld sein,denn sie lag in der Seitenwand zwischen 6. und 8. Rippe. DieKnochen waren nicht lädirt. Der Schusskanal heilte schnell,nachdem die Hautbrücke zwischen Eingangs- und Ausgangs-öffnung abgestossen war, und hinterliess eine 2 Zoll lange ver-schiebbare Narbe. Am 9. April 1871 bestand noch einevollkommene Lähmung und eine Abmagerung der linken Ober-extremität.

Mitte 1873 war von den trophischen und motorischenStörungen nichts mehr nachzuweisen.

III. August Harjes, Musketier der 4. Kompagnie1. Hanseatischen Infanterie-Regiments No. 75, am 8. Dezember1870 bei Orleans von einer Flintenkugel getroffen, welche imoberen Drittheil der Innenseite des rechten Oberschenkels ein-und an der Rückseite dicht unter den Glutaeen ausdrang. An-fangs Unvermögen, den Urin zu lassen, später nach EndeJanuar 1871 Schmerzen beim Harnlassen und langes Pressen.Ausserdem erhebliche Funktionsstörungen des verwundetenBeines. Späterhin ist in den Akten von den Urinbeschwerdennicht mehr die Rede. Durch die direkte oder indirekte Ver-letzung des Ischiadikus hatte sich 1872 eine bedeutende Atrophieund eine lähmungsartige Schwäche der Extremität ausgebildet.

IV. Mathias Gallonska, Füsilier der 4. KompagnieOstpreussischen Füsilier-Regiments No 33, bekam am 27. No-vember 1870 bei Amiens eine Kugel rechterseits in den3. Interkostalraum. Das Geschoss konturirte die Seitenwandund trat unterhalb des unteren Winkels des rechten Schulter-blattes aus. Auf seinem Wege konnte es den plexus axillaris

riamtuts-BericM über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

nicht erreicht haben. Dennoch konstatirte am 20. März 1871Oberstabsarzt Se y pel eine Lähmung des rechten Armes undder Hand, welche nach Aussage des Verwundeten im Momentder Verletzung eingetreten war.

Im Juni 1872 war von motorischen Störungen an der Ex-tremität nichts mehr wahrzunehmen.

V. Jann Wessels, Musketier im Ostfriesischen Infan-terie-Regiment No. 78, wurde am 24. November 1870 bei Ladondurch eine Kugel verwundet, welche rechts zwischen der 3. und4. Rippe, eine Handbreit von der vorderen Achselfalte entfernt,in den grossen Brustmuskel eindrang, horizontal nach aussenverlief und zwischen dem muse, teres major und muse, teresminor wieder austrat. Auf diesem Wege konnte sie denplexus brachialis nicht erreichen.

Am 6. Juni 1871 konstatirte man militärärztlicherseitseine völlige Lähmung der Heber des Oberarmes und eine Pareseder Fingerbeuger der rechten Hand. Die Hand war ge-schwollen, der Arm hing schlaff an der Seite des Körpers herab.W. vermochte mit den Fingern dieser Hand leichte Gegen-stände zu halten, musste aber, um sie fassen zu können, mitder linken Hand den rechten Arm dirigiren. Beginn derLähmung angeblich gleichzeitig mit der Verwundung.

Ein Jahr darauf war von der Lähmung keine Spur mehrzu entdecken; der ganze rechte Arm einschl. der Hand undFinger ebenso kräftig und leistungsfähig, als der linke.

VI. Wilhelm Ripcke, Gefreiter im MecklenburgischenJäger-Bataillon No. 14. Bazoches les hautes, am 2. Dezember1870: Kugelschuss, welcher die rechte grosse Zehe zer-schmetterte.

Der Getroffene ging mit einer totalen Peroneuslähmungdem Feldlazarethe zu.

21. Juni 1871: Steifheit und Verkrüppelung der grossenZehe. Die übrigen Zehen gelähmt, ebenso das Fussgelenk.Pes-varus-Stellung. Beim Gehen wird nur der äussere Fussrandaufgesetzt.

1872: Ausser der Funktionsstörung der zerschmettertenZehe keine Veränderung.

VII. Paralysis agitans der linken Seite nach Stichin die rechte Schulter.

Gustav Heussner, Musketier im 7. Westfälischen Infan-terie-Regiment No. 56, erhielt am 16. Dezember 1870 beiVendôme einen Bajonettstich in die rechte Schulter. SofortigerLähmungszustand der linken Seite, der einem beständigenZittern derselben später Platz machte. Die Wunde heilteschnell. Der linke Arm wurde etwas brauchbarer; im linkenBein bestand das Zittern ungeschwächt weiter neben Beweg-lichkeitsbeschränkungen in seinen Gelenken. Rechts Sensibilitäts-herabsetzung für elektrische und taktile Reize.

Am 26. März 1871 ins Lazareth zu Breslau verlegt, vonwo er am 2. Juni entlassen wurde.

VIII. (Abschrift des im 10. Feldlazareth III. Armeekorpszu Mars la Tour geführten Journals.) Anton Nagel, Füsilierder 9. Kompagnie 3. Westfälischen Infanterie-Regiments No. 16,31 Jahre alt, am 16. August 1870 verwundet.

18. August: Penetrirende Lungenschusswunde.

R. Kugel durchgegangen. Eingangsöffnung hinten. Aus-gangsöffnung vorne.

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