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ill. Kapitel: Traumatische Reflexneurosen, sekundäre traumatische und Drucklähmmig.
Band VU
Fall im Widerspruche mit späteren An-
sibilität intakt,gaben. — R.
5. Schussverletzung der Aussenseite des linken Ober-schenkels. Subjektive Empfindung eines Schusses durch beideBeine an derselben Stelle.
An der Aussenseite des gesunden Oberschenkels befandsich eine 5 Quadratzoll grosse Partie ohne Berührungs- undSchmerzempfindung.
6. Kugelwunde des rechten Oberschenkels ohne Verletzungdes n.' ischiadicus. Heftige Blutung. Verlust des Bewußt-seins. Nachher starker Schmerz auf der ganzen rechten Seite,speziell im rechten Arme, der sich nach 12 Stunden verlor.
Drei Tage darauf wurde der Arm derartig gelähmt, dassPatient die Hand nicht bis zum Munde führen konnte. Späterbenutzte er Krücken, wodurch die bereits eingetretene Besserungwieder rückgängig wurde.
Ein halbes Jahr weiter war der rechte Arm A so stark
als der linke.
7. Schuss durch den m. deltoideus dext. Der Arm hingschlaff herunter, und der Verwundete Hess Alles aus der Handfallen. Sensibilität völlig aufgehoben.
Nach vier Tagen Besserung, welche später fortschritt undzur Dienstfähigkeit führte.
Die Reflexlähmung erstreckte sich in diesen siebenFällen auf die Extremitäten und beschränkte sich sechsmalauf eine derselben, einmal befiel sie Arme und Beineinsgesammt. Sie etablirte sich mit Vorliebe auf der derVerwundung entsprechenden Körperseite und ging fastdurchweg in Besserung, bezw. Heilung über. Mit Ausnahmeder sechsten Beobachtung konnte die unmittelbare Auf-einanderfolge der Verletzung und der Lähmung als erwiesenbetrachtet werden; in dem sechsten Falle lag zwischenUrsache und Folge ein dreitägiger Zwischenraum. Meistwar der getroffene Körpertheil selbst an der Lähmungnicht betheiligt. In den Fällen 1, 2, 3, 7 endlich handeltees sich der Beschreibung nach um eine Paralyse, bei No. 4und 6 um eine Parese auf motorischem Gebiete, beiNo. 5 um eine vollkommene Aufhebung der Tast- undSchmerzemptindung.
Fischer giebt in seinem Handbuche der Kriegs-chirurgie über 4 Fälle derselben Art aus eigener Wahr-nehmung folgende aphoristische Daten:
a. Weichtheilschulterschuss mit Lähmung des ganzenA raies.
b. Schussfraktur des rechten Oberschenkels mit Läh-mung des linken Beines.
e. Schuss durch beide Oberschenkel ohne Knochen-verletzung und durch beide Hälften des Scrotummit Lähmung beider Beine,d. Schuss durch den rechten Oberarm mit Fraktur,
dabei Lähmung des nervus radialis links.Die Amerikanischen Aerzte schlössen sich bei derDeutung ihrer Beobachtungen der lirklärungsweise an,
welche Brown-Séquard und Jaccoud für die auf an-deren Ursachen basirenden gleichnamigen Lähmungen,welche weiter unten noch Erwähnung finden werden, vor-geschlagen hatten.
Indessen muss die Jaccoud'sche Erschöpfungstheorieals physiologisch unbegründet verworfen werden.
Mehr Freunde hat neuerdings wieder die sogenannteReflextheorie Brown-Séquard's gewonnen. Wie duvdUnterbrechung der Blutzufuhr Störungen in den Funktionendes Rückenmarks entstehen können, haben der S ten s on' seheVersuch und die Experimente von Schiffer und Weil ge,lehrt. Nach der Anschauung Brown-Séquard's ruft derperiphere Reiz eine reflektorische Kontraktion der Spinal-gefässe, und auf diese Weise jene Anämie und die nun folgend.Lähmung eines bestimmten Rückenmarksabschnittes hervor,Dass mit zunehmender Dauer des vasomotorischen Krämpfe-die centralen Veränderungen mehr und mehr restitution;unfähig werden, ist ebenso unvermeidlich. Die Frage isinur, ob so anhaltende reflektorische Gefässkrämpfe, visie für manche unheilbare Reflexlähmungen vorausgeseti:werden müssen, an den Spinalarterien vorkommen könnetErb glaubt diese Frage bejahen zu müssen im Hinblidauf analoge Beobachtungen von Nothnagel, welcher aider Haut der Extremitäten vasomotorische Krämpfe voistunden- und tagelanger Dauer sah. Auch ist die Möglichkeit nicht ausser Acht zu lassen, dass unter gewissen üiständen, z. B. bei neuropathischer Disposition oder verminderter Widerstandsfähigkeit, schon eine kürzere Zeit de-Gefässkrampfes für die Erzeugung schwerer centraleAlterationen ausreichend sein dürfte. In seiner Abhandlmtüber Reflexlähmungen — Volkmann's Sammlung, Heft 2 -erinnert ferner Leyden an die von Setschenow, HertzeiGoltz, Nothnagel, Levisson etc. festgestellte Thatsaédass durch heftige periphere Nervenreizung die rege!massigen Funktionen des Rückenmarks vorübergehend völliiaufgehoben werden können. Aber die Uebereinstinnuuider beobachteten Fälle traumatischer Reflexlähmung beiMenschen mit den Experimenten dieser Autoren ist doünicht gross genug, um einen unbedingten Schluss auf di.Identität der Vorgänge zu gestatten. Wie sich zeigtwird, widersprechen die aus dem Deutsch-FranzösischeKriege gesammelten, freilich sehr spärlichen, hierbegehörigen Fälle diesem Schlüsse ganz und gar. Ley de:selbst ist ihm auch keineswegs gewogen und lenkt iseinem Lehrbuche auf andere Möglichkeiten, welche deZusammenhang erklären können, die Aufmerksamkeit: aShok, Kontusion des Rückenmarks, zufällige Quetsch»oder Erschütterung entfernter Nerven. Ganz abzuseheist für die Reflexlähmungen im Sinne unserer Definition neiner Neuritis ascendens als kausalem Momente, da ei»so schnelle Fortpflanzung eines entzündlichen Prozessevon der Peripherie auf das Centralorgan, wie sie das ze¡liehe Auftreten der Paralyse verlangt, nicht wohl vor«gesetzt werden darf.