Drittes Kapitel.
Traumatische Reflexneurosen, sekundäre traumatische Lähmung
und Drucklähmung.
Erster Abschnitt.Traumatische Reflexneurosen.
I. Lähmung.
Die unmittelbar nach einem peripheren Nerventraumain einem vom ursprünglichen Yerletzungsorte entferntenHervengebiete entstandene Lähmung bezeichnet man als„traumatische Reflexlähmung". Dieselbe kann dreierleiArt sein: entweder rein motorisch oder rein sensibel odermotorisch und sensibel zugleich. Am häufigsten erstrecktlie sich ausschliesslich auf die motorischen Bahnen.
Unter den Autoren, welche auf diese interessanteAft'ektion nach Schuss verle tzungen aufmerksam machten,sind die Amerikaner Mitchell, Keen und Morehousein erster Linie zu nennen. Dieselben beobachteten imSezessionskriege folgende sieben Fälle:
1. Schuss in die rechte Halsseite, Ausgang 3'/s Zoll vonder Mittellinie im Nacken am oberen innern Skapularwinkel.
Mit Sicherheit anzunehmen, dass kein wichtiger Nerv ver-letzt war.
Der Getroffene fiel nieder, fühlte, dass beide Arme ge-lähmt wiiren, und glaubte, dass beide durchschossen seien.
Haemoptoe.
9 Tage später klagte er über Taubsein in beiden Armen;Druck verursachte nur rechts Schmerzen. Zwei Monate daraufwar Patient wieder im Gebrauche des linken Armes, es bestandhier nur noch eine leichte Sensibilitätsstüruug im Ulnaris-gebiete.
R. totale Paralyse.
2. Granatsplitter gegen den rechten Überschenkel. DerVerwundete fiel halbbewusstlos hin. fühlte einen brennenden
Schmerz an beiden Füssen, der Brust und dem rechten Arme.Sämmtliche Extremitäten waren gelähmt.
Nach einigen Minuten kehrte der Gebrauch des linkenArmes zurück. Allmälige Wiederkehr der Motilität auch imrechten Arm.
Blase und Mastdarm nicht affizirt.
Drei Monate nach der Verwundung konnte Patient mitHilfe eines Stockes gehen.
Rezidiv der Schmerzen und Zunahme der Paralyse währendeines Transportes.
Nach Verlauf weiterer 6 Monate besteht noch eine partielleParaplégie. Im Liegen können die Beine bewegt werden.
Linker Arm ist kräftig, der rechte führt nur langsame undschwache Bewegungen aus.
Nach Jahr und Tag wird noch Schwäche im rechten Armund in beiden Beinen konstatirt. Patient geht schlürfend.
3. Wunde durch den rechten Oberschenkel. Der Verletztefiel hin, versuchte mit dem rechten Arme, der beim Falle keinenSchaden erlitten hatte, sich zu helfen, vermochte es aber nicht.
Blutung gering. Die Arlhlähmung besserte sich langsam,nahm dann aber beim Gebrauch einer Krücke von Neuem zu.
Nach Verlauf von etwa 1 '/a Jahren war die Besserungeine allgemeine.
4. Wunde am rechten Testikel. Einige Sekunden späterBewusstlosigkeit. Nachdem dieselbe vorübergegangen, stand derGetroffene auf und ging hinter die Front. Hierbei schleppteer den rechten Fuss nach. Diese Schwäche blieb einige Monatelang bestehen. Die Flexoren konnten von dem Willen nichtbewegt werden, reagirten aber auf den luduktionsstrom. Sen-